Einmal mehr stellt Paul kritische Fragen:
Frage: Ich habe gesehen, dass bei „baumundklima“ einiges in Bewegung ist. Gab es im vergangenen
Jahr Fortschritt?
Ja, schon. Ich hatte mich anfangs erst etwas in der weit zurückliegenden Geschichte verlaufen, habe dann aber den Blick fest auf den Boden gerichtet. Im Ergebnis ist die Rubrik „Was wächst unter unseren Bäumen“ entstanden. Hierbei habe ich nur die blühenden Pflanzen gesammelt, die ich auf Spaziergängen und Wanderungen entdeckt habe. Viele Pflanzen waren gleichzeitig Erinnerungen an Kindertage.
Frage: Die Pilze hast du auch aufgenommen?
Für Pilze war leider zu wenig Zeit. Im August war so eine Phase, da musste man aufpassen, dass man nicht auf die besten Pilze tritt. Nachdem das Land im Frühjahr ohne Niederschlag auskommen musste, hat es im Sommer ab und zu mal kräftig geregnet und die Pilze sind geschossen. Gemessen am statistischen Mittel fehlten in Brandenburg etwa 60 Liter Regen je Quadratmeter. Für die Pilze kam der Regen zur rechten Zeit. Jetzt will ich noch die Winterpilze hinzufügen, die hier in der Gegend überall zu finden sind.
Frage: Wird es noch mehr aus dem Pflanzenreich geben?
Ja, auf jeden Fall. Es gibt überall so viele Moose und Flechten zu sehen. Ich habe beispielsweise den Sparrigen Runzelbruder kennengelernt, ein Moos, das ich früher immer etwas mürrisch betrachtet habe. Jetzt find ich es nett, schon wegen des ungewöhnlichen Namens. Naja, Moose breiten sich gerne auf Rasenflächen aus, die ständig gemäht werden. Wenn alles im Gleichgewicht ist, Vielfalt zugelassen wird, bleibt der Sparrige Runzelbruder ein Gewächs zwischen vielen anderen Pflanzen.
Frage: Du hast also den Rasenmäher außer Dienst gestellt?
Ja, ich komme mit zwei Mal mähen gut hin.
Frage: Gibt es eigentlich Neuigkeiten vom Rechenzentrum Eiche?
Ach, hör bloß auf! Eineinhalb Jahre herrschte absolute Ruhe. Im August hat die Verwaltung dann Vorentwürfe zur Änderung des Flächennutzungsplanes und zum Bebauungsplan zur Abstimmung auf die Tagesordnung gebracht. Ortsbeirat, Bauausschuss und dann Gemeindevertretung. Abgestimmt wurde über die frühzeitige öffentliche Beteiligung – es gab in allen Gremien Zustimmung. Das Planungsverfahren geht also weiter.
Frage: Hast du dir die Unterlagen mal angesehen?
Ja, es waren mehr als 700 Seiten. Es sieht danach aus, dass die Planungsfirma die Vorentwürfe einschließlich Umweltbericht und aller fachlicher Untersuchungen bis hin zu den Auflagen der Gemeinde zur Bauausführung und zum Betrieb des Rechenzentrums erarbeitet hat. Die Verwaltung hat die Unterlagen dann scheinbar ohne weiteres Zutun den Gremien zur Beschlussfassung vorgelegt. Nun ist es Sache der zu beteiligenden Behörden und der Einwohner, die Planungsunterlagen einer fachlichen Prüfung zu unterziehen.
Frage: Du willst sagen, die Verwaltung macht es sich hier ziemlich einfach und die gewählten Vertreter verlassen sich bei Ihrer Entscheidung auf das Votum der Verwaltung – was die Verwaltung zur Beschlussfassung vorlegt, ist fachlich abgesichert und nicht in Zweifel zu ziehen?
So habe ich das beobachtet. Die Vorentwürfe zum Bau des Rechenzentrums weisen Defizite auf, hätten fachlich überarbeitet werden müssen, bevor sie den Gremien zur Beschlussfassung vorgelegt werden.
Frage: Gib mal bitte ein Beispiel!
Zum Beispiel die Abwärme: Einerseits werden Betrachtungen darüber angestellt, welche Menge Abwärme durch den Baukörper – also die Gebäude, die zum Betrieb des Rechenzentrums errichtet werden – abgestrahlt wird. Soweit alles richtig. Andererseits wird die Abwärme, die durch den Betrieb des Rechenzentrums entsteht und über die Lüfter an die Außenluft abgegeben wird, mit keinem Wort erwähnt. Hierbei geht es um die Abwärmemenge von ungefähr 80 MW, wenn das Rechenzentrum die im Planentwurf bezeichnete volle Leistung erreicht hat – ausreichend zum Beheizen von mehr als 30000 Einfamilienhäusern. Eine solche Menge Abwärme wird das Mikroklima beeinflussen.
Das hört sich nicht gut an. Hast du deine Einwendungen an die Gemeinde geschickt?
Ja. Ich habe mich anhand des Gesetzestextes da durchgearbeitet. Das ist heute nicht mehr professionell, weil es KI- gestützte Programme gibt, mit deren Hilfe solche Aufgaben gelöst werden, angeblich viel gründlicher. Naja, warten wir es ab, es ist das Schlimmste zu befürchten.
Frage: Klingt wenig optimistisch. Wie geht es deinen Bäumen?
Ich hatte behauptet, Roteichen gepflanzt zu haben. So lautete die Bestellung und auch der Lieferschein der Baumschule. Es kam aber anders. Die Bäume haben sich bis Ende Juni Zeit gelassen mit dem Austrieb. Und dann, was soll ich sagen, es waren Stieleichen. So ein Schummel. Am Ende spielt das keine Rolle. In diesem Jahr werde ich neu Anlauf nehmen. In 30 Jahren werden die Leute dankbar sein, weil meine Bäume das rauschende Ungeheuer etwas verdecken.
Frage: Dafür wünsche ich dir Erfolg. Wir müssten das Interview jetzt abschließen, ich bin etwas in Eile, heute Abend geht mein Zug.
Dann frage ich jetzt mal, wohin geht die Reise?
Mit dem Zug über Stockholm nach Oslo und dann mit dem Flugzeug weiter nach Longyearbyen, also bis kurz vor den Nordpol.
Na dann gute Reise!