Paul meinte kürzlich, wir müssten mal wieder ein Interview machen. Hier ist es:
„Deine Internetseite „baumundklima“ ist jetzt ein Jahr online, wie ist die Bilanz?“
„Durchwachsen bis ernüchternd.“
„Damit kann niemand was anfangen, geht es etwas konkreter? Wer interessiert sich für deine Seite? Gibt es Austausch? Was sind die praktischen Konsequenzen, wo stehen deine Bäume?“
„Das ist alles nicht so einfach. Wo meine Bäume stehen, will ich hier nicht ausbreiten. Wieviel Zeit vergehen wird, bis mit Zustimmung der Obrigkeit der erste Baum gepflanzt werden kann, lässt sich nicht abschätzen. Über die ersten Vorschläge aus August und September des vergangenen Jahres hat die Gemeindeverwaltung trotz regelmäßiger Erinnerung bis heute noch nicht entschieden. Das kann noch Monate, wenn nicht Jahre dauern. Ansonsten habe ich bisher nur eine Zuschrift aus China bekommen: Das Interesse hält sich in Grenzen.“
„Natürlich, die anderen sind schuld. Ist dir auch aufgefallen, dass auf deiner Internetseite nicht allzu viel passiert? In einigen Schubladen sieht es noch ziemlich kahl aus.“
„Ich wollte im Internet auch nicht ständig Schaum schlagen sondern lieber Bäume pflanzen und andere Menschen für diese Idee gewinnen. Außerdem komme ich mit dem Programm nicht klar und der Internetkram frisst so viel Zeit.“
„Dann solltest du mal prüfen, ob du das Thema mit der erforderlichen Priorität bearbeitest. Es gibt in diesem Jahrzehnt nur eine Aufgabe mit der Nr. Eins. Und wie willst du eigentlich andere Menschen für diese Aufgabe gewinnen?“
„Hm, vielleicht hilft nur ein fetter Skandal oder tägliche Demos? Aber wer soll da kommen? Ich weiß auch nicht, muss das noch mal durchdenken.“
„Sag Bescheid, wenn du fertig bist, aber denke nicht zu lange. Und sage, wenn du Hilfe brauchst.
Bis dahin will ich deine Aufmerksamkeit mal auf ein anderes Thema lenken, das zur Erhaltung der Lebensbedingungen auf unserem Planeten dazugehört. Ihr wollt doch da in Eiche so eine neue Stadt bauen, die „Gartenstadt“. Die Natur hat die Baufläche in den letzten 30 Jahren zumindest teilweise zurückerobert. Wie sieht die Lage nun beispielsweise für die Zauneidechse aus, wenn der Bagger anrollt?
Die Ansprüche, die eine Zauneidechse an ihren Lebensraum hat, sind vielfältig und keinesfalls einfach zu erfüllen. Sie benötigt verschiedene Plätze – zum Sonnen, für die Eiablage, zur Überwinterung und zum Verstecken vor Fressfeinden.
Eidechsen sind wechselwarme Tiere, das heißt, ihre Körpertemperatur kann nicht selbst reguliert werden, sondern passt sich der Umgebung an. Um auf die Jagd nach kleinen Spinnen, Insekten und Würmern zu gehen, benötigt sie aber eine “Betriebstemperatur”. Diese erreicht sie, indem sie vorher ein ausgiebiges Sonnenbad nimmt. Hierfür eignen sich Mauern, Steinhaufen oder auch Totholz, das allerdings nicht überschattet werden darf von größeren Pflanzen. Für die Eiablage benötigt sie sonnenexponierte Flächen mit leicht grabbarem Substrat, z.B. Sandhänge.
Da der Aktionsradius eines Tieres sich auf 30 m beschränkt, müssen diese verschiedenen Strukturen auf einer kleinen Fläche alle zwingend vorhanden sein, damit Zauneidechsen überleben und sich fortpflanzen können. In unserer heutigen Kulturlandschaft, die durch Bebauung und von monokultureller landwirtschaftlicher Nutzung geprägt ist, sind diese Flächen rar gesät. Die meisten Teilpopulationen leben wie auf Inseln zwischen den großen unüberquerbaren Siedlungsgebieten, Feldern und Straßen isoliert voneinander. Jungtiere können nicht abwandern und der genetische Austausch fehlt. Diese ungünstigen Bedingungen haben dazu geführt, dass die Zauneidechse in Brandenburg auf der Roten Liste als gefährdet eingestuft ist und nach Anhang IV der Fauna -/Flora- Habitat- Richtlinie geschützt wird.
Weißt du, wieviel Tierarten auf so einer Baufläche leben? Wo sollen sie denn hin, wenn der Bagger kommt und wer soll sich darum kümmern? Wann wollen wir denn anfangen, unsere Natur zu schützen? Ich meine unsere Natur hier, nicht die auf Feuerland!“
„Danke, du hast mir den Kopf jetzt gerade gerückt, lass uns einfach arbeiten und dann mal wieder ein Interview machen!“