Frage: So richtig bist du nicht vorangekommen?
Antwort: Nein und ja. Meinen Bäumen geht es gut, ich habe mich gekümmert. Durch den Wahlkampf war ich mal kurzzeitig abgelenkt. Ich habe auch verstanden, dass ich Gleichgesinnte nicht in einer Partei suchen muss, die gibt es dort nicht. Ansonsten habe ich Kapazitäten, neue Bäume zu pflanzen.
Frage: Was steht auf dem Plan?
Antwort: Ich habe beobachtet, dass meine Bäume durchschnittlich drei Jahre Unterstützung brauchen, dann entlasse ich sie und kann neue Bäume pflanzen. Im kommenden Jahr werde ich auch den Baum des Jahres 2025 pflanzen. Unter anderem.
Frage: Hast du dir das richtig überlegt?
Antwort: Ich sehe schon den erhobenen Zeigefinger. Alles, was aus Nordamerika kommt, ist auch invasiv. Die Entwicklung der letzten 300 Jahre hat gezeigt, dass einzelne Exemplare kein nennenswertes Potential zur Verdrängung entwickeln. Der Baum kommt mit den brandenburgischen klimatischen Bedingungen gut klar. Auch die einheimische Fauna fremdelt nicht mit dem Fremdling und Vergleiche zu anderen Baumarten am hiesigen Standort sollten in 100 Jahren angestellt werden. Schreib dir den Termin schon mal in deinen Kalender.
Frage: Das ist so ne Art schwarzer Humor. Manchmal denke ich, wir schaffen die nächsten drei Monate nicht hier in Europa. Geht dir das auch so?
Antwort: Ich will mich hier nicht um eine Antwort drücken, auch wenn wir das eigentliche Thema verlassen. Ich finde es unglaublich, wie wir von einer Eskalationsstufe in die nächste geleitet werden. Am Morgen, wenn man die Augen öffnet, weiß man nicht, ob es einen nächsten Tag geben wird. Europa ist durch eine Frontlinie geteilt. Die eine Seite führt den Krieg zum Schutz von Heimat und Volk auf dem Territorium des Nachbarlandes. Die andere Seite versucht den Okkupanten zu vertreiben und Schützt gleichzeitig Demokratie und Freiheit von ganz Westeuropa. Aber welchen Nutzen haben diese hohen Ziele für all diejenigen, die bereits ihr Leben in diesem Krieg verloren haben? Spielen Menschenleben in diesem Krieg überhaupt eine Rolle? Sind Menschen Verbrauchsmaterial wie Patronen, Panzer und Flugzeuge?
Jedes Jahr um diese Zeit, der Geburt des Propheten, habe ich Hoffnung, die Waffen würden schweigen, aus Respekt und Ehrfurcht vor der heiligen Botschaft. Und es wäre Gelegenheit, eine Waffenruhe in einen Waffenstillstand zu überführen. Und der Glaube, die heilige Botschaft und das Leben als das höchste Gut erweisen sich von Neuen als pure Heuchelei.
Frage: Das wollte ich jetzt nicht provozieren. Was ist mit der menschlichen Vernunft los?
Antwort: Vernunft würde dazu zwingen, alles zu unterlassen, was mit dem Leben von Menschen bezahlt werden muss. Dieser Krieg in Europa hat nun schon mehr als eine Million Menschenleben gekostet. Selbst nach der Logik derer, die Kriege als legitimes Mittel zur Konfliktbewältigung ansehen, hätte die Weiterführung des Krieges keinen Nutzen. Für jeden einfachen Verstand ist schon lange erkennbar, dass der Krieg gegen den Okkupanten mit dem zur Verfügung stehenden konventionellen Kriegsmaterial nicht gewonnen werden kann. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Das ist für jedermann erkennbar. Bliebe nur noch, die ganze Menschheit in den Abgrund zu stürzen.
Frage: Wie also weiter?
Antwort: Sofort aufhören mit dem Töten, alle Menschen haben dasselbe Recht auf Schutz ihres Lebens und es ist die erste Pflicht aller Präsidenten, Regierungen und Parlamente, das Leben aller Menschen zu schützen. Und niemand hat in meinem Namen das Leben Anderer aufs Spiel zu setzen.
Interview 20. Juli 2024
Es ist mal wieder Zeit!
Paul ist vor Wochen nach Kanada in die Wildnis abgereist und meinte vor seinem Abflug, wir müssen unbedingt mal über das Wahlergebnis reden. Wochenlang gab es kein WLAN, aber nun musste er mal in die nächstgelegene Stadt. Da konnten wir kurz miteinander sprechen.
Frage: Bei den Wahlen zum Ortsbeirat hast du 1,3 % der Wählerstimmen bekommen. War das dein Ziel?
Mein Ziel waren 3 %. Ich bin eben ein Optimist.
Frage: Hast du irgendwas falsch gemacht?
Nein, ich bin eben keine bekannte Marke. Habe ungefähr 500 kleine Zettel verteilt und meinen mobilen Wahlkampfanhänger hin und her gezottelt. Den Anhänger brauchte ich zwischendurch immer für meine Gießkannen, ich hatte also neben dem Wahlkampf noch Anderes zu tun. Wer Bäume pflanzt, muss auch gießen, das hat einfach Priorität.
Frage: Denkst du, die Leute haben deine Botschaft verstanden?
Da bin ich mir nicht sicher. Meine Botschaft hat keine besondere intellektuelle Leistung beansprucht. Klima und Krieg sind noch immer weit weg, Berlin oder Brüssel, dort wird das Klima und der Krieg gemacht. Mancher wird auch gedacht haben, der pflanzt seine Bäume sowieso, dafür muss ich ihn nicht wählen.
Frage: Das hört sich nicht gerade nach professioneller Wahlanalyse an. Willst du das nicht ein wenig nacharbeiten?
Nein.
Frage: Das fühlt sich so, wie bockig an. Da musst du noch mal ran!
Nochmal nein. Ich werde nicht aus dem Kaffeesatz herauslesen, was da nicht drin ist. Meine Botschaft war klar, die Wähler haben mitgeteilt, dass ich sie nicht vertreten soll. Das ist schon alles.
Frage: Was wirst du jetzt tun?
Ein wenig Urlaub inmitten der mecklenburgischen Natur und dann endlich meine Internetseite neu ordnen. Und im Herbst werden Bäume gepflanzt.
Interview 1. September 2023
Paul ist wieder in den hohen Norden abgereist. Vor der Abreise wollte er unbedingt noch ein Interview mit mir machen.
Frage: Du lebst noch immer auf deiner Baustelle?
Ja, habe mich eingelebt. Einerseits. Andererseits habe ich so viele Bäume gepflanzt, wie ich mit meinen bescheidenen Mitteln pflegen kann. Ich hatte auch Gespräche mit dem Eigentümer einer ziemlich großen Brache. Dort wäre Platz für Bäume, doch der Bursche kneift und kommt mit fadenscheinigen Ausflüchten um die Ecke. Ansonsten habe ich das Gemeindeparlament mit einer Vielzahl von Anträgen und Kurzvorträgen im Bereich Naturschutz traktiert. Ich lebe also nicht nur auf meiner Baustelle.
Frage: Das habe ich in deinen aktuellen Beiträgen gelesen und in eurer „MOZ“ gab es auch schon mehrere Artikel. Hatten die Petitionen Erfolg?
Ist nicht meine „MOZ“ und der Erfolg hält sich in Grenzen. Als Erfolg verbuche ich, dass sich zwei Einwohner regelmäßig in den Sitzungen der Gemeindevertretung zu Wort melden und sich konsequent für den Schutz der Natur einsetzen. Das Thema kommt also mit unterschiedlichen Anliegen auf die Tagesordnung. Ansonsten erklären die Vertreter der Verwaltung regelmäßig, aus welchen Gründen vorgeschlagene Lösungen nicht umsetzbar sind. Die Gemeindevertreter lehnen dann ohne besondere Anstrengung die Vorschläge ab.
Frage: Was denn, gar keine Unterstützung?
Mal sporadisch einzelne Unterstützer, keine Mehrheiten. Die Verwaltung gibt vor, wo‘s lang geht. Nur einmal, jetzt im Juli, gab es eine Mehrheit dafür, die Mahd an Wegen auf die Breite von 1,00 m zu begrenzen. Um Lebensraum für Pflanzen und Tiere zu erhalten. Dieser Beschluss war ein Erfolg! Praktisch hat das keine Auswirkungen, weil in der letzten Augustwoche wieder mit voller Arbeitsbreite – also mehr als 2,00 m gemäht wurden. Doch nicht mehr Lebensraum.
Frage: Und bleibt es jetzt dabei?
Nein, natürlich nicht.
Frage: Und sag mal, keine Unterstützung von denen, die die Farbe der Hoffnung in Ihrem Namen tragen oder von denen, die sich für soziale Gerechtigkeit einsetzen?
Die Einen träumen in einer Art von Dornröschenschlaf von blühenden Wiesen, stecken Blumenzwiebeln und säen Blumen. Die für soziale Gerechtigkeit Zuständigen haben noch nicht verstanden, dass der ständige Flächenfraß zugunsten von weniger als 10% der Bevölkerung Ausdruck eklatantester sozialer Ungerechtigkeit ist.
Frage: Das heißt, die Gemeinde setzt auf weitere Bebauung?
Ja, angetrieben durch den Traum vom ewigen Wachstum. Mit Blick aus dem Rathaus erscheint die Erdoberfläche unbegrenzt. Es gibt auch Zwänge. Kindergärten und Schulen werden auf Zuwachs gebaut und um dauerhaft eine Auslastung zu sichern, müssen neue Wohngebiete für hoffentlich Eltern mit Kindern gebaut werden. Und wenn die Kosten in der Verwaltung steigen, können diese wiederum nur durch erhöhte Einnahmen, das heißt letztlich durch Ansiedlung neuer Einwohner gedeckt werden. Na ja, und immer so weiter. Und dann noch die Sache mit der Sparsamkeit, immer nur große Zahlen.
Frage: Du hast das verstanden, Kapitalismus setzt Wachstum voraus? Kapitalismus ohne Wachstum wird es nicht geben. Oder anders herum, wenn Wachstum nicht mehr möglich ist, wird es auch keinen Kapitalismus mehr geben. Und natürlich gibt es Konzepte für ein „Danach“. Nur, wie kommt man in den Modus, dass nur noch verbraucht werden kann, was nachwächst? Und das Ganze gerecht verteilt.
Ich stelle mir vor, wie das wäre, wenn in den USA damit begonnen werden würde, die Staatsverschuldung nach einem seriösen Plan abzubauen, das wäre doch das Ende des Wachstums?
Frage: Ist theoretisch und praktisch nicht vorstellbar, eher geht die Sonne im Westen auf oder vielleicht im Süden. Das Zeitalter des unbegrenzten Wachstums zu überwinden wird nicht so leicht werden.
Ja, ja, ich habe auch nicht gedacht, dass sich der Drache mit einem einzigen Schwertstreich töten lässt.
Frage: Brauchst du Hilfe? Schreib mir einfach.
Mache ich. Werd‘s wohl nötig haben.