Der wolkenlose Himmel verkündete an diesem Vormittag mit seinem satten, klaren Blau den Beginn der hellen Jahreszeit. Die Kohlmeise sang, einer Luftpumpe gleich, lauter als an all diesen nun vergangenen Regentagen des Februars. Und die Sonne wischte das hartnäckige Reifgewand aus der letzten Nacht von altem Laub und blassem Gras. Der Kalender zeigte den ersten März an.
Der Mann trat in seiner gelben Jacke noch auf Strümpfen vor die Eingangstür und lauschte eine ganze Weile auf den Klang des Frühlings. Dann setzte er sich auf die Vortreppe und zog seine Turnschuhe zu sich heran. Die Schuhe hatten mittlerweile die Farbe alten Laubes angenommen und waren an den Fersen ziemlich heruntergetreten. Er löste die verknoteten Schnürsenkel, zog die Schuhe langsam an und wirkte bei all dem unentschlossen. Er war auch unentschlossen.
Während er über seine heutige Aufgabe und darüber nachdachte, ob er sie doch lieber verschieben sollte, bemerkte er den Raben, der am Straßenrand gegenüber ein altes Laubblatt nach dem anderen mit dem Schnabel anhob, umdrehte und wieder ablegte. Bei dieser absolut systematischen Suche legte er ein trockenes, längliches Blatt frei, das wahrscheinlich im vergangenen Jahr an einer Vorgartenlilie gewachsen war. Der Rabe zog das Blatt aus dem übrigen Kram heraus, nahm es mit dem Schnabel auf und hüpfte scheinbar prüfend einige Schritte die Straße entlang. Dann hielt er inne, sah zu dem Mann auf der Vortreppe hinüber, flog schließlich ohne Hast auf und verschwand hinter dem Haus gegenüber.
„Ja, du hast ja Recht“, brummte der Mann, „ hier wird nichts mehr verschoben, also vorwärts“.
Er holte seine Schubkarre aus dem Garten, legte den Spaten hinein und zog los, um eine Fuhre Pferdemist zu holen. Es hatte die letzten Tage nicht mehr geregnet und der Weg zum Reitplatz würde wahrscheinlich wieder passierbar sein. Und bei der Gelegenheit, wenn er nun schon diese Richtung einschlug, konnte er auf einen kurzen Plausch bei Gottfried vorbeischauen. Gottfried war, oberflächlich betrachtet, ein alter, ungepflegt wirkender Zausel, der als Einsiedler weit hinter den letzten Häusern in einem ebenfalls alten, geräumigen Pförtnergebäude lebte, von welchem aus vor längst vergessener Zeit die Zufahrt in ein weiträumiges Betriebsgelände beaufsichtigt worden war. Selbst die Fahrzeugwaage mit dem Wiegehäuschen gegenüber dem Pförtnergebäude trotzte noch immer den Wogen der neuen Zeit.
So kam Schwung in die Bewegungen des Mannes mit der Schubkarre. Er beschloss, erst den Pferdemist aufzuladen und dann die Schubkarre an der Weggabelung hinter dem Reitplatz abzustellen. Nach seinem Besuch bei Gottfried käme er dort sowieso wieder vorbei. Er hatte damit einen Plan.
Auf der Lagerfläche für den Pferdemist herrschte wie immer ein gewaltiges Durcheinander. Aller Unrat, halb verdorbenes Obst und Gemüse, Verpackungen und Berge von Heu und Stroh lagen bunt gemischt in kleinen und großen Haufen von stinkenden Wasserlachen umsäumt auf einer einst idyllischen, kleinen Waldwiese. Der Mann versuchte, einen etwas älteren Haufen zu erreichen, rutschte mit einem Fuß in die Jauche, begann grob zu fluchen und bekam schlechte Laune. Er wusste ganz genau, warum er diese Expedition schon seit Tagen immer wieder verschoben hatte. Einerseits. Andererseits hatten sich die Liedzeilen aus Kindertagen „im Märzen der Bauer die Rösslein anspannt …“ in seine Gedanken gedrängt und nun war es plötzlich März geworden.
Endlich hatte der Mann die Schubkarre beladen und sich aus dem Morast herausgekämpft. Die Schuhe hatten mittlerweile die Farbe der Schubkarrenladung. Kein Wunder. Er stellte die Schubkarre an die Weggabelung und lief mit leichtem Schritt zu dem Pförtnerhaus. Er kam hier immer ohne vorherige Verabredung her und diese Ungewissheit, ob er Gottfried hier antreffen würde, machte dieses bange Gefühl, das er auch heute verspürte. Es war ihm wichtig, diesen merkwürdigen Burschen zu treffen, zu sehen, dass es ihm gut ging .Schön war es, wenn die Tür offen stand und von drin gerufen wurde: „Komm rein, warst lange nicht hier.“
Heute war die Tür des Pförtnerhauses zu. Das war neu. Was stimmte hier nicht?
Der Mann läutete die kleine Schiffsglocke, die an einer Stütze des Vordaches hing. Nach einer geraumen Weile hörte er das bekannte „komm rein“ und trat in das Haus ein. Schlechte Luft, Feuchtigkeit und Halbdunkel empfingen ihn. Er sah sich um, konnte aber niemanden entdecken.
„Ach du bist`s, Kay, sei gegrüßt“, Kay atmete auf.
Rechts vom Eingang, dort wo früher der Pförtner gesessen hatte, erhob sich ein kleiner, leicht gebeugt wirkender Mann und reichte Kay die Hand.
„Schön, dass du gekommen bist, warte, wir machen nur kurz einen Durchzug für etwas frische Luft.“
Kay staunte, dass Gottfried seinen Gesichtsausdruck sofort entschlüsselt hatte.
Während Gottfried alle Fenster öffnete, hatte Kay Gelegenheit, sich in dem Innenraum des Pförtnerhauses ein wenig gründlicher umzusehen. Bei seinen früheren Besuchen waren sie immer in den Garten neben dem Pförtnergebäude hinausgegangen. Gottfried hatte auf der kleinen Grünfläche mit Bänken, die früher in den Pausen von den Mitarbeitern für eine kurze Erholung genutzt wurden, einen Garten mit allerlei Obstgehölzen und Hochbeeten für Gemüse angelegt. Kay hatte sich immer für den Gehölzschnitt, die Veredelung und Bewurzelung von Obstgehölzen interessiert und Gottfried konnte alles erklären und zeigen, wie man es machen musste. Kay vermutete, Gottfried habe höchstwahrscheinlich als Gärtner gearbeitet. Das wurde dadurch verstärkt, dass in einigen ihrer wenigen Ausflüge in das Früher Gottfried meinte, er hätte eben da oben gearbeitet, wo früher die Tomatenfabrik stand. Dieses große Gewächshaus, das damals den Fortschritt im Gartenbau verkörperte, musste dann vor nunmehr fast zwanzig Jahren einem höheren Ziel weichen. An gleicher Stelle wurde ein mehrere Hektar großes Rechenzentrum errichtet, das seither in mehreren Abschnitten um weitere Hektar anwuchs. Wenn es mal nicht richtig wachsen wollte, kamen Minister, lobten Weitblick und Fortschrittsgeist der kommunalen Vertreter. Dann wuchs der riesige Komplex weiter. Die Bewohner gewöhnten sich an allmählich steigende Temperaturen, errichteten höhere Zäune oder sahen einfach nicht mehr hin. Nur das beständige Rauschen von hunderten Kühlaggregaten auf den Dächern war nicht zu überhören.
Kay hatte bei seinen Streifzügen durch den verbliebenen Rest Natur den Eremiten aus dem Pförtnerhaus getroffen. Es war damals Frühsommer, Gottfried hatte interessiert Kays Fahrrad betrachtet, ein Wort ergab das andere und sie hatten dann noch lange im Garten neben dem Pförtnergebäude gesessen und geredet.
Die Inneneinrichtung des Pförtnerhauses ging teilweise noch auf die ursprüngliche Nutzung zurück. Zwei Wandschränke mit einem Spültisch, ein Kühlschrank, ein Kleiderschrank, Regale mit Büchern und Allerlei, hinzugekommen war eine Schlafstelle und dann befand sich dort noch der Arbeitsplatz des Pförtners, der große Tisch und ein Drehsessel mit Armlehnen. Auf dem Tisch standen mitten vor dem Ausguck des Pförtners ein wirklich großer, halbrunder Bildschirm und ein Bedienungsterminal. Das Display war in mehrere Reihen und diese wiederum in mehrere Segmente, also einzelne Bildschirme unterteilt, auf denen die verschiedensten Inhalte dargestellt wurden. Dieser Anblick war absolut verwirrend, weil alles in Bewegung schien.
Gottfried hatte Kay einige Momente von der Seite betrachtet und sagte entschuldigend: „Das ist mein Doppelleben, hatte es lange ausgeblendet und nun ist es wieder da.“
„Musst du da jetzt irgendwas machen?“
„Nein, ich halte das einfach an.“
„Ich muss das, glaube ich, nicht verstehen“, sagte Kay noch immer überrascht.
„Hast du ein wenig Zeit mitgebracht? Ich würde versuchen, etwas Licht in die ganze Sache zu bringen.“
Kay nickte und Gottfried verschwand daraufhin in einem Nebenraum und kam mit einem Stuhl zurück.
„Setz dich bitte“, sagte Gottfried mit leicht spöttischem Unterton, „dann kannst du mir nicht umfallen“. Etwas ernster fuhr er fort: „Ich hatte schon seit Monaten den Wunsch, mit dir über eine alte Sache zu reden, die uns beide betrifft und mich jetzt an einen Punkt geführt hat, der zu einer Entscheidung zwingt.“
Kay schüttelte leicht den Kopf: „Ich bin zu Allem bereit.“
„Gut, dann will ich Klartext reden, muss jedoch ein wenig weiter ausholen.“ Gottfried setzte sich etwas bequemer in seinen Sessel, streckte die Beine aus und fuhr fort:
„Ich bin kein Gärtner und habe in meinem ganzen Berufsleben nicht im Gartenbau gearbeitet. Mit der Gärtnerei hab ich erst hier angefangen, nachdem ich aus meinem Beruf ausgestiegen bin.“ Etwas schuldbewusst setzte er hinzu: „Bei dir war, das weiß ich genau, der Eindruck entstanden, ich hätte hier oben mal in der Gärtnerei gearbeitet, das war ein nicht ganz zufälliges Missverständnis und keinesfalls fair von mir. Und ich bitte hiermit um Entschuldigung.“
Gottfried sah Kay mit einem offenen Blick an. Kay nickte ihm kaum merklich zu. Dann fuhr Gottfried fort:
„Nach meinem Studium der Medizin habe ich fast 25 Jahre in einem Forschungsinstitut gearbeitet, das auf dem Gebiet der Hirnforschung führend war. Daneben hatte ich noch verschiedene Lehraufträge an Universitäten. Für mich gab es nur Arbeit, kaum Pausen und kein Privatleben.
Nach und nach kamen milliardenschwere Aufträge aus der Digitalwirtschaft. Diese Aufträge hatten genau das zum Gegenstand, was hier oben in diesem Gigaspeicher abläuft.“
Gottfried stand auf und kam mit einem Glas Wasser zurück, das er Kay in die Hand gab. „Du siehst so blass aus, trink mal etwas.“
Kay trank und Gottfried berichtete nun, wie die Forschergruppe, die er leitete, allmählich in die Strukturen des weltgrößten Digitalkonzerns überführt wurde. Zwei Jahre nach Beginn dieses Prozesses waren von seiner Forschergruppe noch sieben Wissenschaftler übrig, die vollkommen abgeschirmt arbeiteten.
„Ziel unserer Forschung war es“, Gottfried stockte, holte tief Luft und sprach dann weiter, „also Ziel war es, eine naturgetreue Simulation des menschlichen Gehirns, des gesamten Nervensystems, eines lebenden Menschen in seiner Interaktion mit der Gesellschaft zu erzeugen“.
Gottfried stand auf, auf seiner Stirn standen Schweißperlen. Er wischte sich mit dem Handrücken über das Gesicht und setzte sich langsam zurück auf seinen Sessel.
„Nach jahrelanger, harter Arbeit brachten wir John zur Welt. John lebte, wir simulierten sämtliche Lebensbedingungen und Funktionen. John konnte denken wie alle, er sprach, er arbeitete, er lebte in seiner Wohnung, ging zum Sport und trank Bier mit seinen Kollegen. Eine Freundin hatte er übrigens auch. Und wir haben mit ihm telefoniert und uns später mit ihm ganz zufällig getroffen. Natürlich alles simuliert. Ich habe tatsächlich persönlich mit John gesprochen. Es war einfach atemberaubend und wir konnten nicht mehr aufhören. Wir hatten ein Rechenzentrum zur Verfügung mit einer vergleichbaren Leistung wie dieses hier oben.“
Gottfried machte wieder eine Pause und setzte noch hinzu: „Natürlich haben die Medizin, die Biochemie und die Psychologie das menschliche Denken schon weitgehend entschlüsselt, das hat bisher aber nur zu einer Annäherung an das Ziel geführt. Wir hingegen hatten das Ziel erreicht und konnten mit dem Ergebnis unbeobachtet experimentieren. Unsere Herrschaft über John bestand, banal gesagt, nur noch darin, den Stecker zu ziehen. Und eines Tages kam die Order, das Experiment abzubrechen. Zur Erklärung hieß es, die Menschheit müsse erst auf eine solche Erfindung vorbereitet werden. Dieser Auftrag kam dann auch recht bald.“
Kay hatte sich während der letzten Worte erhoben, leicht schwankend dagestanden und sagte schließlich: „Deine Beichte nimmt mir die Luft, lass uns mal rausgehen.“
Gottfried stand auch auf, nahm sich eine Jacke vom Haken und beide traten vor die Tür. Die Eingangsseite lag noch im Schatten und sie beschlossen, in den Garten zu gehen. Dort setzten sie sich auf eine der noch aus der alten Zeit zurückgebliebenen Bänke. Die Sonne wärmte schon und so saßen sie eine ganze Weile schweigend. Gottfried betrachtete Kay eine Weile von der Seite. Sein Gesicht hatte hier draußen wieder Farbe bekommen. Nach kurzem Zögern setzte Gottfried seine Beichte fort:
„Die Anweisung, John zu töten, wirkte auf mich wie ein Weckruf. Und da war noch der neue Auftrag. Ich habe mich später immer wieder gefragt, warum ich nicht sofort ausgestiegen bin. Es lässt sich nur dadurch erklären, dass wir alle wie in Gefangenschaft lebten und nicht fähig waren, eine solche Entscheidung umzusetzen.“
Nach einer kurzen Pause fuhr er fort.
„Worum ging es bei dem neuen Auftrag? Ich hatte bei meinen Forschungen das Zentrum und die Voraussetzungen zur Bildung und Entwicklung des Freiheitswillens im Gehirn vollständig entschlüsselt. Es war ein hochkomplizierter Prozess. Ich war damals auch verpflichtet, meinen Auftraggebern gegenüber alle Ergebnisse meiner Arbeit offen zu legen. Dort bestand damals schon lange das Konzept, das menschliche Wissen möglichst vollständig auf ihren Plattformen zu konzentrieren, um dann irgendwann den Zugang nach ihren Vorstellungen auch zu beschränken. Und nun sollte in einem ersten Schritt durch Auswertung der nutzerbezogenen Daten die Herausgabe von Informationen so beschränkt werden, dass alle die Daten herausgefiltert werden, die für Entstehung und Entwicklung des Freiheitswillens maßgeblich sind. Das funktioniert so ähnlich, wie früher durch Auswertung nutzerbezogener Daten Werbung zugeordnet wurde. Ich habe das jetzt sehr vereinfacht dargestellt. Und da heute ungefähr 90 % der Menschheit das Internet nutzt, wird das gewollte Ergebnis irgendwann erreicht werden.“
„Das ist ja unglaublich“, protestierte Kay, „mich bekommst du damit nicht, ich habe das Internet schon vor Jahren abgeschaltet!“
„Damit liegst du auch nicht falsch, andererseits hast du deinen Freiheitswillen gut entwickeln können, weil du eine umfassende Bildung erhalten hast. Und genau um diesen Zusammenhang geht es in der Zukunft. Diese Gigaspeicher haben im Grunde zwei Abteilungen, eine für das Wissen und die andere zunehmend zur Verwaltung der Freiheit. Das ist die Kurzformel. Wenn du möchtest, würde ich dir das später mal etwas genauer darstellen.“
Kay brummte etwas unbestimmt vor sich hin und Gottfried wertete es als Zustimmung.
„Auf jeden Fall war ich mal hier oben in dem Speicher, natürlich nicht persönlich, und habe die letzten Einstellungen vorgenommen. Das war zu der Zeit, als mir langsam dämmerte, was wir da machten. Und dann bin ich eines Tages ausgestiegen, habe meine persönlichen Sachen in einen kleinen Koffer gepackt und bin abgetaucht. Ich war nur unterwegs, wie besinnungslos und immer stärker wurde der Druck meines Gewissens. Ich fing an zu trinken, kam dann irgendwann wieder zur Besinnung und habe mich schließlich hier niedergelassen. Das ist alles.“
Kay stand auf, hockte sich nach einer Weile vor Gottfried auf die Erde und sagte leise: „Wenn ich dich nicht kennen würde, hätte ich dir gesagt, bleib mir vom Halse mit deinem Verschwörungskram. Verschwörung oder nicht Verschwörung, ich bin da raus, habe meine Entscheidungen getroffen, pflanze Bäume und baue Gemüse an.“
Gottfried schmunzelte: „Erstens, wie du gerade erfahren musstest, kennst du mich eher weniger und zweitens funktionieren Verschwörungsgeschichten genau so.“
Gottfried reichte Kay seine Hand und zog ihn aus der Hocke hoch.
„Was hat dir denn nun dein Gewissen geraten?“
„Es war ein jahrelanger Kampf, ich habe nun entschieden, meine Arbeit rückgängig zu machen. Frage mich jetzt bitte nicht …“
Kay fragte nicht.
„Weißt du eigentlich, wie es kam, dass ich hier eingezogen bin?“ Und ohne lange auf eine Antwort zu warten, fuhr Gottfried fort: „Auf meinen Irrfahrten, die mich häufig in die Nähe solcher Speicheranlagen führten, kam ich hier vorbei. Ich war damals bereits als Wanderer unterwegs. Und hier auf dem Vordach saß damals ein Rabe, der schaute voller Sympathie zu mir herunter. Ich habe das als Einladung ausgelegt und bin hier geblieben. Der Rabe übrigens sieht manchmal bei mir vorbei.“
„Den kenne ich auch“, erwiderte Kay und wunderte sich über seine eigenen Worte.
Nachdem sie einige Momente am Eingang des Pförtnergebäudes gestanden hatten, begann Gottfried: „Ich muss an meine Arbeit zurück, komm bitte in zwei Wochen zu mir, bis dahin sollte alles erledigt sein. Dann ist Zeit.“
Sie verabschiedeten sich, Gottfried zog Kay zu sich heran und legte den Arm um seine Schulter. „Es könnte sich einiges ändern, achte auf den Raben.“
Kay ging zu seiner Schubkarre zurück und es begannen zwei Wochen voller Ungeduld, Zweifel und Ungewissheit.
Nach genau zwei Wochen ging Kay wie verabredet zu Gottfried, diesmal ohne Schubkarre. Und anfangs traute er seinen Augen nicht. Es gab kein Pförtnergebäude mehr, das Wiegehäuschen und auch die Waage fehlten. Kein Garten, keine Bänke, nur eine alte Betonfläche war zu sehen, die in eine Brache überging. Weiter nichts. Und leise war es geworden. Das Rauschen war verstummt.
Kay stand lange fassungslos auf diesem kahlen Platz, das aufsteigende Gefühl von unendlicher Traurigkeit schnürte ihm die Kehle zu.
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