Interview

Interview 4.Juni 2021

Paul meinte kürzlich, wir müssten mal wieder ein Interview machen. Hier ist es:

„Deine Internetseite „baumundklima“ ist jetzt ein Jahr online, wie ist die Bilanz?“

„Durchwachsen bis ernüchternd.“

„Damit kann niemand was anfangen, geht es etwas konkreter? Wer interessiert sich für deine Seite? Gibt es Austausch? Was sind die praktischen Konsequenzen, wo stehen deine Bäume?“

„Das ist alles nicht so einfach. Wo meine Bäume stehen, will ich hier nicht ausbreiten. Wieviel Zeit vergehen wird, bis mit Zustimmung der Obrigkeit der erste Baum gepflanzt werden kann, lässt sich  nicht abschätzen. Über die ersten Vorschläge aus August und September des vergangenen Jahres hat die Gemeindeverwaltung trotz regelmäßiger Erinnerung bis heute noch nicht entschieden. Das kann noch Monate, wenn nicht Jahre dauern. Ansonsten habe ich bisher nur eine Zuschrift aus China bekommen: Das Interesse hält sich in Grenzen.“

„Natürlich, die anderen sind schuld. Ist dir auch aufgefallen, dass auf deiner Internetseite nicht allzu viel passiert? In einigen Schubladen sieht es noch ziemlich kahl aus.“

„Ich wollte im Internet auch nicht ständig Schaum schlagen sondern lieber Bäume pflanzen und andere Menschen für diese Idee gewinnen. Außerdem komme ich mit dem Programm nicht klar und der Internetkram frisst so viel Zeit.“

„Dann solltest du mal prüfen, ob du das Thema mit der erforderlichen Priorität bearbeitest. Es gibt in diesem Jahrzehnt nur eine Aufgabe mit der Nr. Eins. Und wie willst du eigentlich andere Menschen für diese Aufgabe gewinnen?“

„Hm, vielleicht hilft nur ein fetter Skandal oder tägliche Demos? Aber wer soll da kommen? Ich weiß auch nicht, muss das noch mal durchdenken.“

„Sag Bescheid, wenn du fertig bist, aber denke nicht zu lange. Und sage, wenn du Hilfe brauchst.

Bis dahin will ich deine Aufmerksamkeit mal auf ein anderes Thema lenken, das zur Erhaltung der Lebensbedingungen auf unserem Planeten dazugehört. Ihr wollt doch da in Eiche so eine neue Stadt bauen, die „Gartenstadt“.  Die Natur hat die Baufläche in den letzten 30 Jahren zumindest teilweise zurückerobert. Wie sieht die Lage nun beispielsweise für die Zauneidechse aus, wenn der Bagger anrollt?

Die Ansprüche, die eine Zauneidechse an ihren Lebensraum hat, sind vielfältig und keinesfalls einfach zu erfüllen. Sie benötigt verschiedene Plätze – zum Sonnen, für die Eiablage, zur Überwinterung und zum Verstecken vor Fressfeinden.

 Eidechsen sind wechselwarme Tiere, das heißt, ihre Körpertemperatur kann nicht selbst reguliert werden, sondern passt sich der Umgebung an. Um auf die Jagd nach kleinen Spinnen, Insekten und Würmern zu gehen, benötigt sie aber eine “Betriebstemperatur”. Diese erreicht sie, indem sie vorher ein ausgiebiges Sonnenbad nimmt. Hierfür eignen sich Mauern, Steinhaufen oder auch Totholz, das allerdings nicht überschattet werden darf von größeren Pflanzen. Für die Eiablage benötigt sie sonnenexponierte Flächen mit leicht grabbarem Substrat, z.B. Sandhänge.

 Da der Aktionsradius eines Tieres sich auf 30 m beschränkt, müssen diese verschiedenen Strukturen auf einer kleinen Fläche alle zwingend vorhanden sein, damit Zauneidechsen überleben und sich fortpflanzen können. In unserer heutigen Kulturlandschaft, die durch Bebauung und von monokultureller landwirtschaftlicher Nutzung geprägt ist, sind diese Flächen rar gesät. Die meisten Teilpopulationen leben wie auf Inseln zwischen den großen unüberquerbaren Siedlungsgebieten, Feldern und Straßen isoliert voneinander. Jungtiere können nicht abwandern und der genetische Austausch fehlt. Diese ungünstigen Bedingungen haben dazu geführt, dass die Zauneidechse in Brandenburg auf der Roten Liste als gefährdet eingestuft ist und nach Anhang IV der Fauna -/Flora- Habitat- Richtlinie geschützt wird.

Weißt du, wieviel Tierarten auf so einer Baufläche leben? Wo sollen sie denn hin, wenn der Bagger kommt und wer soll sich darum kümmern? Wann wollen wir denn anfangen, unsere Natur zu schützen? Ich meine unsere Natur hier, nicht die auf Feuerland!“

„Danke, du hast mir den Kopf jetzt gerade gerückt, lass uns einfach arbeiten und dann mal wieder ein Interview machen!“

Interview 1. Juni 2020

Ich bin Paul und habe den Betreiber dieser Internetseite gebeten, sein Anliegen mal näher zu erläutern. Hier ist nun das kurze Interview:

 Baum und Klima in einem Wort, steckt da etwas dahinter?“

Antwort: Es gibt quasi keinen Begriff, der uns den lebenswichtigen Zusammenhang von Vegetation und Klima vermittelt. Gäbe es in unserer Sprache einen solchen Begriff, hätten alle auf den Schutz unserer natürlichen Umwelt gerichteten Überlegungen einen festen Anknüpfungspunkt. Begriffe wie Freiheit, Demokratie oder soziale Marktwirtschaft helfen hier nicht weiter. Folglich gibt es seit Jahrzehnten überwiegend Ignoranz und Widerstand bezogen auf ein notwendiges, ganz natürliches Verhalten.

Frage: Kannst du es mal etwas verständlicher ausdrücken?

Antwort: Da ist nichts unverständlich. Also: Die Natur hat in einem Millionen Jahre dauernden Prozess Bedingungen geschaffen, die unser Leben möglich machen. Zu diesen Bedingungen gehört das Gleichgewicht zwischen Freisetzung von Kohlenstoffdioxid und dessen Aufnahme durch die Vegetation. Solange die Mengen auf beiden Seiten der Waage gleich bleiben, scheidet Kohlenstoffdioxid als Ursache für die Klimaerwärmung aus. Ist ganz einfach. Das Gleichgewicht gibt es nicht mehr. Die Menschheit ist als Erzeuger für Kohlenstoffdioxid dem natürlichen Geschehen hinzu getreten.

Frage: Was schlägst du vor?

Antwort: Naja, der Zug ist schon vor mehr als 100 Jahren abgefahren. Bevor die Menschheit in das industrielle Zeitalter eintreten wollte, hätten kluge Menschen berechnen müssen, wie viel Kohlenstoffdioxid zukünftig in die Atmosphäre der Erde entsorgt werden sollen und wie viele Bäume nötig sind, um diese Menge wieder aus der Atmosphäre zu entnehmen. Dann hätten die Bäume erst gepflanzt und großgezogen werden müssen und erst danach hätten zusätzliche Mengen Kohlenstoffdioxid in die Atmosphäre entsorgt werden können.

Frage: Hätte, hätte, Fahrradkette. Hört sich irgendwie schräg an. Woher sollten die Menschen vor mehr als 100 Jahren all das Wissen, was die Wissenschaft erst heute herausgefunden hat?

Antwort: Ja doch, die Menschen wussten es nicht besser. Und in der heiligen Schrift stand dazu auch nichts. Das Wissen von heute hat das Verhalten der Menschheit nicht verändert. Wir entsorgen täglich riesige Mengen Kohlenstoffdioxid in die Atmosphäre. Statt Bäume zu pflanzen, wird der Baumbestand unseres Planeten jeden Tag auf allen Kontinenten verringert und es gibt scheinbar keine Macht, die diesen Prozess anhält und umkehrt.

Frage: Wissen verändert also das Verhalten der Menschen nicht und Macht ist darauf gerichtet, Veränderungen zu unterbinden. 

Antwort: Ja, so ist es. Unser Kapitalismus besteht nur so lange, wie wirtschaftliches Wachstum anhält. Die Menschen werden bereits seit frühester Kindheit so konfiguriert, dass sie ohne nachzudenken ihr Leben lang diesem Ziel dienen. Freiheit wird über grenzenlosen Konsum verwirklicht.

Frage: Hört sich sehr pessimistisch an. Und wenn du nun einfach anfängst, Bäume zu pflanzen?

Antwort: Mache ich ja! Auch wenn ich allein das Gleichgewicht im Kohlenstoffdioxid-Kreislauf nicht wiederherstellen kann.

Frage: Du hast aber schon mitbekommen, dass es weltweit viele Initiativen gibt, die deinem Anliegen sehr nahe kommen?

Antwort: Ja doch, ich fühle mich nicht allein. Ich habe hier keine Neuigkeiten verkündet. Du hast mich gefragt und ich sage, was ich denke.