Hallo Paul,

Hier ist mein erster Vorschlag für das Jahr 2023:

An die Gemeindevertretung der Gemeinde Ahrensfelde

Lindenberger Straße 1

16356 Ahrensfelde

Petition

Sehr geehrte Frau Hübner,

sehr geehrte Gemeindevertreterin,

sehr geehrter Gemeindevertreter,

ich bitte Sie, mein nachfolgend formuliertes Anliegen in der Gemeindevertretung zu beraten und darüber zu beschließen. Den Textvorschlag für einen Beschluss stelle ich der Begründung meines Anliegens voran:

Beschluss

Im Gemeindegebiet der Gemeinde Ahrensfelde ist mit sofortiger Wirkung das Zünden von Feuerwerkskörpern aller Art im Freien untersagt. Dieses Verbot gilt ab sofort für alle Tage eines jeden Jahres, auch für Silvester. Genehmigungen für privates oder öffentliches Feuerwerk werden nicht mehr erteilt.

Sie werden denken, das geht ja überhaupt gar nicht! Aber legen Sie das Blatt nicht gleich aus der Hand, lesen Sie doch erst mal weiter.

Über Sinn und Unsinn von Feuerwerk wurde schon ausreichend gestritten und argumentiert und es sprechen mittlerweile mehr Argumente gegen das Feuerwerk als dafür. Wer will aber schon gerne darüber bestimmen, andere Menschen zu beschränken, ihrer Lebensfreude Ausdruck zu geben?

Aber: Haben Sie eine Vorstellung davon, wie der Hund Ihres linken Nachbarn leidet, wenn Ihr rechter Nachbar anlässlich seines 50. Geburtstages ein Feuerwerk in seinem Garten zündet? Natürlich genehmigt. Die Nachbarin übrigens leidet dann ebenso. Oder haben Sie schon mal gesehen, wie eine Amsel aus einem Baum einfach so herausfällt, wenn eine Silvestergesellschaft gegen Mitternacht auf dem nahegelegenen Parkplatz den ersten Böller zündet? Und wie die Amsel dann völlig verstört und verwirrt davonflattert, gegen eine Hauswand prallt und mit gebrochenem Genick zu Boden fällt? Würden Sie das Futterhäuschen Ihres Nachbarn, in dem zwei Blaumeisen gerade Sonnenblumenkerne picken, in Vorfreude auf den Jahreswechsel mit einem Knaller bewerfen? Natürlich nicht. Aber was macht das für einen Unterschied, einen Böller einfach so in die Landschaft zu werfen, vor die nächste Hecke oder anders wohin? Irgendwo in der Nähe muss sich die Blaumeise verstecken, weil sie auch am Tag nach Silvester Hunger hat. Das Futterhäuschen mit den Sonnenblumenkernen ist jeden Tag ihr Ziel. Der Unterschied ist nur: Sie haben die Blaumeise, die sich versteckt hält, nicht gesehen. Wissen Sie, ob die Blaumeise Ihren Freudenausbruch zum Jahreswechsel  überlebt hat?

Sie werden jetzt denken, was soll der Unsinn, ich knalle schon seit vielen Jahren nicht mehr in der Gegend herum. Das ist auch sehr vernünftig.

Und dennoch: Haben Sie eine Vorstellung davon, wie viele Menschen mit Atemwegserkrankungen an den Tagen um Silvester besonders leiden? Oder wie viele Menschen einfach nur Angst haben vor dem Höllenlärm? Haben Sie eine Ahnung davon, wieviel Feinstaub und CO2 in der Silvesternacht in die Luft geschleudert werden, einfach so aus Lebensfreude? Alle Welt kämpft um die Verringerung von Feinstaub- und CO2– Emissionen, in allen Parteiprogrammen kann man darüber etwas lesen und auch in der Neujahrsbotschaft im Amtsblatt. Und an einem Tag im Jahr vergessen wir das alles?

Sie werden jetzt vielleicht denken, ja, aber… Was sollen meine Nachbarn, Kollegen und Jugendfreunde aus dem Sportverein denken, wenn sie mitbekommen, dass ich mich für ein Feuerwerksverbot einsetze? „Na Wolfgang, halt mal die Bälle flach, nun sei mal nicht so streng mit uns, da haben wir doch  schon ganz andere Sachen geschaukelt.“ Und da ist noch was: Es könnte in der Zukunft möglicherweise, nein, ganz sicher Wählerstimmen kosten, wenn Nachbarn und Freunde herausfinden, dass ich für ein Verbot …, nein, das geht überhaupt nicht.

Und an dieser Stelle will ich Folgendes vorschlagen: Sprechen Sie in der Gemeindevertretung mal ganz in Ruhe über Sinn und Unsinn von Feuerwerk, und wenn alle Gemeindevertreter dem Beschluss zustimmen, würde keiner Fraktion – sollte es einen Zusammenhang zwischen Abstimmungsverhalten und Wählerstimmen bei der nächsten Wahl zur Gemeindevertretung geben – ein Nachteil entstehen, weil alle Gemeindevertreter  – also einstimmig das Ende des Feuerwerks beschlossen hätten. Stellen Sie sich das einmal vor, und es ist überhaupt nicht kompliziert oder unlösbar.

Und stellen Sie sich auch noch vor: Sie hören am 1. Januar 2024 beim Frühstück in den  Nachrichten vom RBB, was die Feuerwehr in der Silvesternacht alles leisten musste und was so passiert ist: Soundso viele Einsätze wegen Bränden und Unfällen, sieben abgerissene Finger, ein Ohr fehlt und eine ganze Hand.  Und sie lehnen sich zurück und denken: Kein einziger Vorfall in unserer Gemeinde. Und wie schön war das, als  die Nachbarn  sich Mitternacht auf der Straße getroffen haben, um mit einem Gläschen Sekt anzustoßen. Stellen Sie sich vor: dann stimmte die Frau Ihres linken Nachbarn ein Lied an, zwei  weitere Nachbarinnen stellten sich zu ihr und sie sangen gemeinsam “ I have a dream, a song to sing“. Am Morgen hing  kein Raketenleitwerk aus Ihrer Dachrinne heraus, es lagen nicht die zerplatzten Papphülsen in ihrem Garten und auch nicht die Tausend kleinen Foliensternchen und – Herzen auf der Wiese Ihres Vorgartens. Einfach herrlich. Stellen Sie sich das einmal vor, und Sie haben das bewirkt. Und Ihren Nachbarn wird es nicht anders als Ihnen gehen.

Und als es so still war, hätte man meinen können, die Engelschöre zu hören. Vielleicht waren es auch die Nachbarn aus Mehrow. Schon vor mehr als zweitausend Jahren hörten Maria und Josef, nachdem ihr Kind geboren war, die Engelschöre. So wird es in den Liedern besungen. Und schon Maria und Josef beugten sich schützend über ihr Kind und sorgten sich um die Tiere im Stall. Auch wenn es nicht überliefert ist, so ist es dennoch sicher, dass Josef zum Neuen Jahr nicht vor den Stall trat, um Raketen und Böller abzufeuern. Er war ganz sicher mit Freude und auch mit Sorge um die Seinen erfüllt.

Tagesordnungspunkt 7

„Beratung zur Umgestaltung des Rathausplatzes – Vorstellung des Konzeptes durch das Büro Naturgarten Potsdam“ 

Die beauftragte Landschaftsarchitektin Frau Froese-Genz stellte das Konzept zur Umgestaltung des Rathausplatzes am 28. November 2022 in der Ortsbeiratssitzung Ahrensfelde vor. Das Konzept entwickelte sie nach den Vorgaben des Ortsbeirates Ahrensfelde zur Nutzung des Rathausplatzes.

Aus urheberrechtlichen Gründen kann die von der Architektin vorgestellte Skizze hier nicht veröffentlicht werden. Jedoch lässt sich die vorgestellte Lösung zur Umgestaltung mit einem Satz beschreiben:

Es sollen vier Streifen „Schotterwiese“ – jeweils zwei Meter breit – quer über den Rathausplatz verlegt werden.

Die Architektin erläuterte, dass die vorgeschlagene Blühwiese wegen der Trockenheit nicht so üppig wachsen werde, zweimal im Jahr gemäht werden sollte und die Flächen auch wie bisher befahren  bzw. mit einem Festzelt überbaut werden können.

Das ist schon alles.

In einem Nebensatz merkte die Architektin noch an, dass es sinnvoll sei, entlang der Rathausfassade Bäume zu pflanzen, damit diese sich im Sommer nicht so stark aufheizen kann.

Hier griff der Ortsvorsteher konsequent ein – solche Überlegungen seien nicht beauftragt gewesen. Dafür gäbe es gute Gründe. Die Feuerwehr könne nämlich mit der Drehleiter nicht das Dach des Rathauses erreichen, wenn Bäume im Wege stünden. Das sei mit den Wehrleitern alles schon durchgesprochen. Im Übrigen würde es mindestens 20 Jahre dauern, bis die gepflanzten Bäume Schatten spenden würden. Bäume sind somit unnütz. Und im Jahr 2025 wird Platz für ein Festzelt 20m mal 40m benötigt, 5000 Ahrensfelder:innen wollen dann feiern.

Der Gestaltungsvorschlag von Frau Froese-Genz – das kam in den Wortmeldungen und Nachfragen der Ortsbeiräte zum Ausdruck – fand mehrheitlich Zustimmung. Ein junger Mann lediglich wandte ein, dass es im Sommer auf dem Rathausplatz so unerträglich heiß sei, dass man sich dort nicht aufhalten könne. Schon deshalb wären Bäume wichtig. Dieser Einwand wurde mühelos übergangen.

Die Zuschauer auf den Gästeplätzen hatten kein Rederecht.

Und auch das gehört noch zum Thema: 

 Der Ortsvorsteher hat in seinem Bericht darauf hingewiesen, dass es auf dem Weihnachtsmarkt, so wie geplant, ein Feuerwerk geben wird. Trotz unfairer Gegenargumente. Alle Erwägungen zum Schutz von Natur und Umwelt wie auch die Erinnerung  an den christlichen Weihnachtsgedanken werden das Feuerwerk nicht verhindern. Das Volk wünscht ein Feuerwerk.

Ich habe in der Nacht nach der Sitzung sehr schlecht geschlafen. Immer musste ich mir vorstellen, was Paul zu diesem Ergebnis sagen wird. Und er wird mich fragen, wieso ich zu diesem ganzen Schwachsinn geschwiegen habe. Und ich werde antworten müssen, ich hatte kein Rederecht – so sind die regeln. Und er wird mir vorhalten, dass es darauf wohl nicht ankommt, es ginge um seine Zukunft, nicht um meine.

Ja.

Anmerkung:

Zwei der geplanten Schotterstreifen liegen bereits auf dem Rathausplatz. In den letzten 10 Jahren wollte sich dort jedoch kein „Grün“ ansiedeln. Warum eigentlich nicht?

Tagesordnungspunkt 9

Im Ortsteilzentrum Ahrensfelde wird am Montag – nach Umstellung auf die Sommerzeit – genau nach einem Jahr erneut das Thema Gestaltung des Rathausplatzes aufgerufen. Die für die Zuschauer bereitgestellten Stühle sind alle besetzt.

Der Ortsvorsteher erläutert kurz das alternativlose Nutzungskonzept des Rathausplatzes. Dieser sei, so wie er gestaltet wurde, nicht besonders schön, würde aber genau so gebraucht als Parkplatz für Seniorenveranstaltungen, für den Weihnachtsmarkt, für Großveranstaltungen, für das „Mammamobil“ und die Feuerwehr.

Als Erster erhielt ein junger Mann, so um die zwanzig, aus der vorderen Zuschauerreihe das Wort.

Er bedankte sich und sprach absolut ruhig und sachlich darüber, dass auch wir in Ahrensfelde bei der Nutzung der Gemeindeflächen zu anderen Lösungen finden müssen, deren Notwendigkeit dem Einzelnen häufig gar nicht bewusst ist. Alte Muster dominieren: Die Räume im Rathaus heizen sich im Sommer auf  – wir bauen einfach eine Klimaanlage ein, der Strom kommt aus der Steckdose: oder, es regnet lange nicht- wir drehen den Wasserhahn auf und gießen unseren Rasen. Ein wenig provokant fügt er mit Blick auf die Mitglieder des Ortsbeirates hinzu, dass es seine Generation  sei, die am längsten von den Klimaveränderungen und deren Folgen betroffen sei.

Unruhe entsteht bei den Ortsbeiräten und einigen Zuschauern.

Dann fährt der junge Mann fort, dass wir Lösungen finden müssen, wie das Wasser, das wir aus dem Boden entnehmen, dort wieder hineinkommt und das CO2, das wir in die Atmosphäre entsorgen, dort wieder herauskommt. Jeder Autofahrer weiß: wenn der Tank leer ist, muss Benzin nachgefüllt werden. Wasser kommt aus dem Wasserhahn. Aber das Grundwasser ist begrenzt.

Wenn im Raum die Konzentration an CO2  zu hoch wird, lüften wir. Die Atmosphäre können wir jedoch nicht lüften.

 Der Ortsvorsteher unterbricht den jungen Mann. Das wissen hier alle im Raum, das sei nichts Neues und derartige Ausführungen würden auch viel zu weit führen. Das sei jetzt genug und im Übrigen: wenn der Einreicher der Petition vor einem Jahr in die Sitzung des Ortsbeirates gekommen wäre, als das Thema schon einmal auf der Tagesordnung stand, hätte die Sache lange erledigt sein können.

Der junge Mann wartet geduldig das Ende der Ausführungen des Ortsvorstehers ab und bittet, nun fortfahren zu dürfen.

Praktisch ginge es ihm darum, Bäume auf dem Rathausplatz zu pflanzen, damit dieser sich nicht im Sommer so unerträglich aufheizt.  Das Wasser zum Gießen könne man aus der Dachentwässerung von Ortsteilzentrum und Rathaus in einem Teich speichern. Die Bäume würden dann auch das Aufheizen des Rathauses durch ihren Schatten reduzieren.

Der Rathausplatz müsse nicht als Parkplatz genutzt werden, an den Rathausbereich angrenzend stehen insgesamt 80 Parkplätze zur Verfügung. Es sei auch nicht angemessen, den Rathausplatz ein ganzes Jahr dafür freizuhalten, dass an drei Tagen der Weihnachtsmarkt durchgeführt werden kann.

Zwei Zollstöcke werden ausgeklappt, um das Verhältnis von 3 Tagen zu 362 Tagen anschaulich zu machen.

Der Ortsvorsteher ergreift das Wort. Gleichzeitig gibt es viele Wortmeldungen bei  Zuschauern und Ortsbeiräten. Der Ortsvorsteher stellt nochmals den Zusammenhang von Gestaltung und Nutzungskonzept des Rathausplatzes dar. Dann erhält aus dem Zuschauerbereich die Koordinatorin für Seniorenarbeit das Wort. Sie ist empört. Der junge Mann wisse überhaupt nicht, welche Bedeutung die Arbeit mit Senioren in der Gemeinde habe, mehr als 4000 Senioren lebten in der Gemeinde, von denen mehr als 1000 an Veranstaltungen in Ahrensfelde teilnehmen. Alle haben lange genug unter Corona gelitten und brauchen dringend die Möglichkeit, an Veranstaltungen teilzunehmen. Das  könne jetzt nicht einfach kaputt gemacht werden.

Dann erhält eine Ortsbeirätin, ebenfalls Koordinatorin für Seniorenarbeit, das Wort. Auch sie ist empört. Der junge Mann wisse gar nicht, wie viel Arbeit in der Vorbereitung und Durchführung von Veranstaltungen für Senioren stecke.  Es seien 45 Veranstaltungen im Jahr mit durchschnittlich 60, manchmal sogar 100 Teilnehmern. Um teilnehmen zu können, müssen die Senioren die Möglichkeit haben, auf dem Rathausplatz zu parken, viele kommen auch als Fahrgemeinschaften oder mit dem Rollator.

Hier prallen offensichtlich die Interessen von Generationen aufeinander, sie werde jedoch alles daran setzen, dass die Seniorenarbeit nicht zerstört wird.

Der Ortsvorsteher beschwichtigt, er sehe hier in erster Linie keinen Generationenkonflikt, es  müsse ein Ausgleich hergestellt werden. Auch habe man schon vor einem Jahr beschlossen, ein Ingenieurbüro zu beauftragen, einen Vorschlag für die Gestaltung zu erarbeiten, der alle Bedürfnisse zur Nutzung des Platzes berücksichtigt.

Dann erhält wieder eine Ortsbeirätin das Wort. Sie sei Mutter von vier Kindern und Oma eines Enkels, sie interessiere sich sehr wohl für die Belange der Zukunft. Sie hätte jedoch noch immer nicht verstanden, aus welchen Motiven heraus der junge Mann nun den Rathausplatz von Ahrensfelde auf  den Kopf stellen will. Möglicherweise musste ein Thema für eine Diplomarbeit im Rahmen des Studiums gefunden werden  und  ginge es etwa nur darum, das Ergebnis der Arbeit durchzusetzen?

Der junge Mann erhält noch einmal das Wort für eine Erwiderung und er erinnert daran, dass sein Vorschlag aus dem Jahr 2020 dadurch veranlasst war, dass wegen der hohen Temperaturen in den Räumen des Rathauses während der Sommerzeit eine Klimaanlage eingebaut werden solle. Sein Alternativvorschlag zielte darauf ab, durch Pflanzung von Bäumen die Sonneneinstrahlung auf die Rathausfassade und die Aufheizung des Rathausplatzes zu verringern. Und wenn  der Einbau einer Klimaanlage nun schon beschlossen sei, müsste der erforderliche Strom dann durch PV-Anlagen erzeugt werden, weil das Erfordernis zur Kühlung und die Möglichkeit zur Stromerzeugung gleichzeitig bestehen.

Dann erhält wieder ein Zuschauer das Wort. Er wirkt ziemlich wütend und hält seinen Vorrednerinnen entgegen, dass sie nicht einmal gelesen haben, was von dem jungen Mann vorgeschlagen wurde. Es gäbe hier keinen Generationenkonflikt und niemand wolle die Arbeit mit Senioren behindern oder abschaffen. Wenn also zu den Veranstaltungen durchschnittlich 60 Personen kommen, sollten 80 vorhandene Parkplätze im Randbereich des Rathausplatzes und des Ortsteilzentrums ausreichend sein.

Im Übrigen sei es auch nicht hilfreich, weitere 30 Jahre abzuwarten, wenn man bedenkt, wieviel Zeit ein Baum für sein Wachstum braucht

Anschließend spricht die Vertreterin einer Bürgerinitiative darüber, wie schade es ist, dass der Ahrensfelder Rathausplatz niemanden zum Verweilen einlädt, weil er kahl und öd ist. Es gäbe so viele Orte, auf deren Plätzen sich Menschen gern aufhalten und wohl fühlen. Dies auch für Ahrensfelde zu erreichen, sei ihr Ziel. Es gehe nicht darum, gegeneinander zu arbeiten, sondern etwas zu erreichen, was allen nützt.

Es folgen weitere Wortmeldungen. Ein Ortsbeirat spricht darüber, dass er mit seinem Kind häufig den Spielplatz am Rathausplatz nutzt. Im Sommer sei das aber nicht mehr möglich, weil sich auch der Spielplatz unerträglich aufheizt.

Der Vertreter der Verwaltung erklärt, dass bereits Geld in den Haushalt eingestellt worden sei für die Erarbeitung eines Gestaltungsvorschlages durch ein Ingenieurbüro. Nach Ausschreibung könne ein Auftrag ausgelöst werden.

Die junge Frau, die zum Schluss spricht, stellt sich als Enkelin einer allseits bekannten Einwohnerin von Ahrensfelde vor. Sie setzt sich dafür ein, im Ergebnis einer Untersuchung Gestaltungsmöglichkeiten zu erarbeiten, die alle Nutzungsinteressen berücksichtigen und gleichzeitig Natur stärker als Gestaltungsmittel in den Vordergrund rücken.

Fazit:

Der Ortsbeirat wird sich bemühen, ein Ingenieurbüro mit der Erarbeitung eines Gestaltungsvorschlages für den Rathausplatz zu beauftragen.

Anmerkung:

In der Ortsbeiratssitzung vom 22.03.2021 zu Tagesordnungspunkt 8 wurde mit 6 Ja-Stimmen und einer Enthaltung beschlossen, ein Planungsbüro mit der Erarbeitung eines Gestaltungsvorschlages für den Rathausplatz zu beauftragen. Hierzu sollten Funktionsbereiche und Nutzungsprioritäten vorgegeben werden. Seither ist ein Jahr vergangen.

Kanada im Herbst 2021 – ein Bericht

Stille,

dann der Ruf des Loons

auf einem See umgeben von Berg und Wald.

Auf der Spitze des Berges

steht majestätisch eine Herde von Mountain Goats.

Wo Fels und Baum zusammenfließen – ein junger Rehbock.

Ein Wald aus mächtigen Douglasien

Im Tal ein See im tiefsten Blau

Unberührte Wildnis –

wie sie in den Büchern von Jack London beschrieben wird?

Doch dann dröhnt ein Schatten über Wald und Wasser.

Das Flugzeug zerreißt die Wasseroberfläche neben dem Loon

und lässt ihn verstummen.

Eine Gruppe von kreischenden Mountainbikern rast durch die Herde Mountaingoats

und hinterlässt tiefe Spuren.

Ein Klicken,

dann ein Schuss wo gerade das Reh noch stand.

Das Knattern einer Kettensäge,

eine alte Douglasie kniet nieder auf dem Boden.

Ein verzweifeltes Tier am ach so blauen See hinterm Staudamm

auf der Suche nach dem sonst immer vorhandenen Weg in die Winterheimat.

Geruch von verwesendem Fleisch.

Der Bericht aus Lappland

Abisko und der Permafrost.

Mensch Paul, erzähl doch mal! Wie wars denn nun in Schweden? Warst du nicht die letzten Monate unterwegs?

Das stimmt ich bin in Abisko beim climate impacts research centre gewesen.

Für alle, die nicht wissen, wo das liegt: Abisko ist ein kleiner Ort im höchsten Norden Schwedens oder vielleicht besser in Lappland. Genauer gesagt, der Ort liegt zwischen der Eisenerzmine in Kiruna und dem Hafen in Narvik. Je nach Definition befindet man sich schon in der Arktis oder Sub-Arktis. Sprich im Winter ist es kalt und dunkel und im Sommer immer hell. Du hast erzählt, dass du dich mit dem Permafrost dort beschäftigt hast und meintest, er taut und entlässt CO2 in die Atmosphäre. Das verstehe ich nicht ganz, wenn ich mir einen arktischen Winter mit meterhohem Schnee und dich mit Frostbeulen im Gesicht vorstelle.

Aber fangen wir weiter vorne an. Erst einmal die Frage, was ist Permafrostboden und ist er normalerweise das ganze Jahr über gefroren?

Abisko liegt noch in der Zone von diskontinuierlichen Dauerfrostboden, sprich es gibt nur einige begrenzte Flächen in denen der Boden als Permafrost gilt. Das kommt daher, weil diese kleinen Flächen besondere Bedingungen aufweisen, die den gefrorenen Boden aus der letzten Eiszeit vor ca 10.000 Jahren gut konserviert haben. Das sind meistens Senken, in denen sich das Wasser gesammelt hat und nun die Kälte noch „speichern“ kann. In diesen Mooren ist der Boden meterweit gefroren über das ganze Jahr, nur die obersten 40-80 cm tauen dann über den Sommer auf. Diese oberste Bodenschicht heißt active layer und ist das, was immer tiefer wird, wenn man von tauendem Permafrostboden spricht. In dieser Schicht finden alle biologischen Prozesse statt, Pflanzen betreiben Fotosynthese, wachsen, bilden Wurzeln, sterben wieder ab. Und dann gibt es noch die Microorganismen, die sich mit der Zersetzung von organischer Substanz beschäftigen und aus deren Stoffwechsel CO2 ausgeatmet wird.

Halt halt halt, das wird ganz schön viel und geht mir zu schnell. Der Boden taut also jedes Jahr ein Stück auf und diese Pflanzen können darauf leben und Fotosynthese betreiben, aber wo kommt jetzt das CO2 her?

Lass mich dafür etwas weiter ausholen: Alles lebende besteht auf unserer Erde aus Kohlenstoffverbindungen. Also auch Pflanzen. Sie betreiben Fotosynthese, nehmen Kohlenstoff aus der Atmosphäre als CO2 auf, bauen den Kohlenstoff in ihre Blätter, Stengel und Wurzeln ein, wachsen weiter und nehmen mehr CO2 auf und geben dafür Sauerstoff als Produkt wieder ab. Wenn allerdings kein Licht auf die Blätter trifft, atmen Pflanzen wie wir CO2 aus, was wieder in die Atmosphäre kommt.

Aber erst noch einmal zum Boden: Stirbt die Pflanze dann eines Tages ab, wird der Kohlenstoff als toter Pflanzenreste in den Boden eingelagert. Dort warten jetzt die Microorganismen, um es als Nahrung zu verarbeiten und zu zersetzen. Wenn sie das tun, atmen sie als Produkt CO2 oder Methan aus. Unter idealen Bedingungen wäre dieser Kreislauf von CO2 was aus der Atmosphäre in den Boden kommt und was wieder an die Atmosphäre abgegeben wird im Gleichgewicht im globalen Maßstab. In dem von uns untersuchten Moor ist die Bilanz sogar positiv im Sinne von mehr Kohlenstoff, der im Boden gespeichert wird und mehr Sauerstoff, der produziert wird.

Das verstehe ich, wie kommt es denn aber jetzt zum weiteren Auftauen? Hast du nicht erzählt, dass du zu deinem Moor durch hüfttiefen Schnee gestapft bist?

Die Sache mit dem Schnee scheint paradox. Je wärmer es ist, desto mehr Feuchtigkeit kann in Luft transportiert werden, es entsteht also mehr Niederschlag. Wenn es also wärmer wird, entsteht auch mehr Schnee. Und Schnee wiederum kann sehr gut isolieren. Da kann die Luft noch so bittere -20 Grad Celsius kalt sein, unter einer solchen Schneedecke hat der Boden trotzdem eine Temperatur kurz unter 0.

Bei der Erwärmung ist es ähnlich, am Ende hängt alles zusammen.

CO2 als Treibhausgas sogt dafür, dass die Strahlung, die von der Sonne zur Erde kommt, zu großen Teilen nicht zurück in den Weltraum reflektiert werden kann. Stattdessen bleibt sie in unserer Atmosphäre und es entsteht Wärme. Je mehr CO2 in der Atmosphäre ist, desto stärker der Effekt, desto mehr erwärmt sich die Atmosphäre im Durchschnitt. Die Winterperioden in der Arktis werden kürzer, dafür schneit es mehr, was den Boden besser isoliert. Allerdings ist die Zeit, in der der Boden mit Schnee bedeckt ist, kürzer. Der Schnee hat eine helle Oberfläche und reflektiert bis zu 80% der Sonnenstrahlung, im Gegensatz dazu absorbiert eine dunkle Oberfläche die Strahlung und der Boden erwärmt sich.

So- also mehr Schnee, weniger Kälte im Boden, schnellere Erwärmung in längerer Sommerperiode. Ergo der Boden taut weiter auf.

Wenn ich mir jetzt diesen getauten Boden vorstelle, entsteht mehr CO2 weil, es mehr Boden ist, in dem Leben stattfindet?

Genau, mehr Volumen an Boden. Und dazu kommt, dass in diesem „mehr“ auf einmal Nährstoffe frei werden, die seit tausenden von Jahren – von Pflanzen vor der Eiszeit – im Frost fixiert waren. Wenn diese jetzt für die Pflanzen mit ihren Wurzeln und die Microorganismen verfügbar werden und zersetzt werden, wird wieder mehr Kohlenstoff in die Atmosphäre entlassen.

Aber warum ist das ein Problem? Das ist doch immer noch der natürliche Lauf der Dinge im Kohlenstoffkreislauf und ist auch ohne mehr Erwärmung schon so funktioniert. Aufbauen, Stoffwechsel, Absterben, Zersetzen?

Das Problem ist, dass dieser zusätzliche Kohlenstoff seit tausenden von Jahren gar nicht mehr in den aktiven Kreislauf eingebunden war. Alles zusätzliche bringt die Waage in ein Ungleichgewicht, denn Pflanzen betreiben nicht automatisch mehr Fotosynthese, um CO2 wieder zu binden.

Die Frage die allerdings bleibt, ist, ob über ein ganzes Jahr Pflanzen immer noch mehr CO2 binden können, als aus dem Boden wieder freigesetzt wird. Und wenn ja, wann wird der Kipppunkt kommen, an dem dieses Ökosystem eine reine Quelle für CO2 wird, weil so viel emittiert wird, was an fotosynthetischer Leistung nicht wieder gebunden werden kann?

Ich merke, du bist frustriert darüber. Warum geht dir das so nah? All das ist doch so weit weg.

Es ist uns näher als du denkst. Denn was uns daraus klar werden sollte, ist, dass alles was wir auch hier tun und verursachen, hat seine Auswirkungen überall auf der Welt. Die Arktis ist jedenfalls nicht der Ort, an dem so viel CO2 durch Verkehr, Industrie und sonstiges produziert wird und dort sind die Auswirkungen trotzdem umso drastischer. Während sich die gesamte Temperatur um 1 Grad erhöht hat, sind es in der Arktis schon 2. Und wie ein Dichter mal sagte, die Brühe, die wir heute in die Elbe ablassen, die haben wir morgen wieder in den Suppentassen.

Während wir hier in Europa, Deutschland und Ahrensfelde leben als wäre die Erde eine nie endende Ressource, stoßen die Ökosysteme am andern Ende der Welt an ihre Grenzen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis es auch bei uns ungemütlich wird. Und dann gilt es Rette sich wer kann. Und wer kann, kann, weil er Geld hat. Wir sind doch gar nicht bereit, Verantwortung zu übernehmen, wenn wir in unserem Geländewagen durch die Stadt fahren. Was damit alles zerstört wird, sehen wir gar nicht, weil wir den Blick nicht heben. Und sich einzugestehen, ein Egoist zu sein und nicht an die anderen Menschen oder gar die eigenen Kinder zu denken, ist hart und unbequem. Da lebt es sich leichter, sich diese Fragen einfach nicht zu stellen.

Ich frage mich, ist der Mensch überhaupt lernfähig ohne in Not zu sein? Braucht es erst eine Katastrophe bei uns, bis wir bemerken, dass wir grundlegend etwas an unseren Gewohnheiten ändern müssen?

Mein Freund Horst schreibt an den Bürgermeister

Neulich hat mich mein alter Freund Horst besucht. Er zeigte mir eine Durchschrift seines Briefes an den Bürgermeister.

„Und“ fragte ich, “was hat er dir geantwortet?“

„Nee, bis jetzt nüscht, war ja erst vor zehn Tagen.“

„Meinst du, er hat beim Regieren Zeit, sich mit solchem Käsekram zu beschäftigen?“

„Ist kein Käsekram, ist mir absolut ernst.“

„Weiß ich doch“, sagte ich, “wenn du willst, lege ich deinen Brief in meine aktuellen Beiträge.“

„Genau darum wollte ich dich bitten.“

Hier ist der Brief:

Gemeinde Ahrensfelde

An den Bürgermeister

26. Januar 2022

Sehr geehrter Herr Bürgermeister,

die Natur braucht Verbündete.

Ich möchte heute auf die Diskussion in der Ortsbeirats- Sitzung zu Tagesordnungspunkt 8.) zurückkommen. Ich war in erster Linie Zuhörer und hatte in dieser Eigenschaft auch nicht die Möglichkeit, etwas auf  Beiträge in der Diskussion zu erwidern. Es muss auch nicht auf alles eine Erwiderung geben. Dennoch beschäftigen mich heute noch Ihre Ausführungen zur wirtschaftlichen Lage der Landwirtschaftsbetriebe in der Gemeinde. Ich will kurz wiedergeben, worauf ich mich nachfolgend beziehe und gehe auch davon aus, dass ich Ihre Worte richtig verstanden habe.

Sie sagten sinngemäß, dass die wirtschaftliche Lage der Landwirtschaftsbetriebe im Gemeindegebiet  schwierig ist. Die Bodenflächen sind nicht besonders fruchtbar, die Ackerflächen sind mit niedrigen Ackerzahlen  bewertet  und es können keine hohen Erträge erzielt werden.  Da müsste man schon ordentlich Chemie auf den Acker werfen, damit überhaupt etwas wächst und ein vertretbares wirtschaftliches Ergebnis erreicht werden kann. Vor diesem Hintergrund müsse man letztlich auch akzeptieren, dass Landwirte Ackerflächen mit geringem wirtschaftlichen Wert der Bebauung zur Verfügung stellen, um auf diese Weise ihre wirtschaftliche Existenz abzusichern. Ich will diesen Gedanken wie folgt fortführen:

Es gibt im Gemeindegebiet Ackerflächen, die wegen ihres geringen wirtschaftlichen Wertes aus der landwirtschaftlichen Nutzung ausgegliedert und in dem vorgesehenen Ausmaß in einem angemessenen Tempo einer Bebauung zur Weiterentwicklung der Gemeinde zugeführt werden können.

Ich will versuchen, solchen Überlegungen eigene Beobachtungen  gegenüber zu stellen. Gleichzeitig räume ich ein, dass ich kein Landwirt bin.

Auf dem nordöstlichen Teil des heutigen Kaufpark Eiche und weiter Richtung Norden zwischen dem heutigen Garagenkomplex und Am Luch wurden bis 1989 auf Feldflächen Gemüse, u.a. Möhren, Rote Beete, Porree  angebaut. Ich habe diese Feldflächen bei Spaziergängen über das Land gerne betrachtet und war auch beeindruckt von den sichtbaren Erträgen. Dort, wo sich heute der Kaufpark Eiche befindet, wird nie wieder Gemüse wachsen. Auch in den neunziger Jahren konnte man im Gemeindegebiet noch den Anbau von Futterrüben, Gerste und anderer Feldfrüchte beobachten und es waren noch  Fruchtfolgen erkennbar. Seit circa 20 Jahren wird im Gemeindegebiet im Wesentlichen  Raps angebaut. Weitere Feldfrüchte sind nicht zu sehen. Die Landwirtschaft ist zur Monokultur übergegangen.

In Vorpommern habe ich über mehrere Jahre hinweg die Tätigkeit zweier kleiner Landwirtschaftsbetriebe beobachten können. Die Feldflächen liegen im Bereich der Endmoräne.

Es ist Ackerland, wo ebenfalls „nichts wächst“. Der eine dieser Betriebe legte 2019  auf mehreren Hektar  Land „Blühflächen“  an. Diese Flächen wurden  Anfang April geeggt und anschließend das Saatgut ausgebracht. In den Monaten April bis Juni waren die Niederschläge  gering. Das Ergebnis: im Juli konnte man bei genauer Besichtigung einige wenige Sonnenblumen bis zu 40 cm Höhe beobachten und einige Pflanzen Buchweizen. Dominierend waren auf den Flächen wie jedes Jahr Ackerschachtelhalm, Disteln, Quecke, Beifuß und weiter tief wurzelnde Kräuter. Durch den benachbarten Landwirtschaftsbetrieb wurden relativ kleine Flächen gleicher  Qualität bewirtschaftet. Der Boden wurde im Spätherbst 2018  gepflügt und nach Bodenanalyse eine geringfügige Anpassung des pH-Wertes vorgenommen. Im Frühjahr folgte eine behutsame Düngung mit Kalium und die Kartoffeln wurden gelegt. Wie schon erwähnt, waren die Niederschläge im Zeitraum April bis Juni gering. Deshalb wurde ergänzend mittels einer Hangbewässerung Wasser zugeführt. Die Kartoffeln haben sich gegen die Ackerkräuter durchgesetzt. Natürlich waren die lästigen Kräuter nicht vollständig beseitigt. Die  Ernte war nach Angaben des Landwirts zufriedenstellend. Für 2020 sollte in den Boden ergänzend Humus eingebracht werden, um die Luftdurchlässigkeit und die Fähigkeit zur Speicherung von Wasser zu verbessern.

Ebenfalls im Jahr 2020 habe ich  im Norden Brandenburgs einen Landwirtschaftsbetrieb aufgesucht, der sehr erfolgreich auf Feldflächen unter anderem Kürbis anbaut. Die sichtbaren Erträge haben mich beeindruckt und auf meine Frage, ob die Pflanzen durch zusätzliche Bewässerung unterstützt wurden, erhielt ich die Antwort: Nein, es hat hier eben so viel oder ebenso wenig geregnet wie in den nördlichen Regionen Brandenburgs bzw. den südlichen Regionen Vorpommerns.

Was ist der tiefere Sinn meiner Ausführungen?

Ich werde mir nicht anmaßen, einem Landwirt zu erklären, wie eine Ackerfläche zu bewirtschaften ist, damit der Landwirt von dem Ergebnis seiner Wirtschaft leben kann.

Eines weiß ich jedoch, es gibt keine Ackerflächen, auf denen nichts wächst. Selbstverständlich muss der Landwirt den Aufwand in seine Ackerflächen investieren, dessen es bedarf, das gewünschte Ergebnis zu erreichen. Selbst gute Böden werden bei der Art der Bewirtschaftung, wie wir sie in unserer Umgebung beobachten können, in „unfruchtbares Land“  verwandelt. Die monokulturelle Landwirtschaft hat auch zur Folge, dass die Schädlinge, welche auf die jeweiligen Pflanzenarten spezialisiert sind, immer in der Nähe sein werden und nur darauf warten, dass ihre Lieblingspflanze angebaut wird. Das wiederum zwingt den Landwirt, mit großem Aufwand regelmäßig für die Vernichtung des Schädlings zu sorgen mit allen weiteren bekannten Folgen.

Ein schonender Umgang mit den uns zur Verfügung stehenden natürlichen Ressourcen lässt sich leider nicht innerhalb der derzeit herrschenden Fördermittelkreisläufe erreichen.

Ich fände  es gut, wenn Sie Ihre Position überdenken würden.

Landwirtschaft ist in unserem Gemeindegebiet im Wesentlichen nicht darauf gerichtet, einen Beitrag zur Erzeugung von Nahrungs- oder Futtermitteln zu leisten. Folge der jetzt vorherrschenden Form der Bewirtschaftung ist eine immer stärkere Belastung von Boden und Grundwasser, die Vernichtung von Insekten und die Verdrängung der Tierwelt. Wenn Ackerflächen für eine landwirtschaftliche Verwertung nicht geeignet erscheinen, sollten sie der Rückführung in unsere natürliche Umwelt zur Verfügung gestellt werden. Dadurch könnte der angerichtete Schaden langfristig wieder gut gemacht werden.

Bebauung setzt die Vernichtung unserer natürlichen Umwelt nur fort.

Mit freundlichen Grüßen

Eine Frage aus Lappland

Paul hat mich letzte Woche angerufen und gefragt, wie die Sache mit dem Klimaplan weiter gegangen ist. Naja, sagte ich, ich habe mich gekümmert, es gibt jedoch ganz offensichtlich keinerlei Veränderungswillen. Ist so, alles soll bleiben, wie es ist.

So, so, meinte er, und wo ist der Plan zu finden?

                                        Klimaschutz und Erhaltung der Artenvielfalt

 Ausgangspunkt

Die durch den Menschen mitverursachte Klimaerwärmung sowie die Bedrohung der Artenvielfalt stellen reale Veränderungen mit absehbar schweren Folgen für das Fortbestehen von Natur und menschlicher Gesellschaft dar. Die durchschnittliche Oberflächentemperatur in Deutschland ist bereits um 1,5 Grad Celsius gegenüber dem Jahr 1881 gestiegen. Wie im Pariser Klimaabkommen beschlossen, ist diese Erwärmung global auf deutlich unter 2 Grad, besser noch 1,5 Grad zu begrenzen. Diese Zahlen sind allerdings kein Ziel sondern die Grenze. Mit dem Pariser Klimaabkommen von 2015, mit Beschlüssen der EU- Kommission aus dem Jahr 2020 sowie Beschlüssen der G7 aus dem Jahr 2021 haben sich eine Vielzahl von Staaten bzw. Staatengemeinschaften nunmehr verpflichtet, durch entschlossene Maßnahmen diesen Veränderungsprozessen entgegen zu wirken. Auf der Grundlage von Bundesgesetzen wird derzeit ein Klimaplan für das Land Brandenburg erarbeitet, welcher für die einzelnen Verwaltungsressorts die Vorgaben zur Umsetzung der eingegangenen staatlichen und zwischenstaatlichen Verpflichtungen enthalten wird.

Es soll hier beispielhaft nur auf zwei Kennziffern verwiesen werden, welche ganz konkret und praktisch umgesetzt werden müssen. Die Mitgliedsstaaten der EU haben sich verpflichtet, bis 2030 weitere drei Milliarden Bäume zu pflanzen. Nach den Beschlüssen von EU und G7 ist es zwingend erforderlich, 30% der Landfläche der Erde in ihrer ganz natürlichen Beschaffenheit zu erhalten. Für jeden der drei Milliarden Bäume muss damit der Platz der Pflanzung bestimmt werden. 30% der Landfläche müssen ganz konkret abgegrenzt werden, damit dort die heimische Pflanzen- und Tierwelt erhalten werden kann.

Hat all das etwas mit unserer Gemeinde Ahrensfelde zu tun?

Es sollte  Einigkeit  darüber bestehen, dass die Landfläche der Erde begrenzt ist. Es sollte ebenso Anerkennung finden, dass die Erhaltung der Artenvielfalt und alle Maßnahmen zum Schutz des Klimas auf dem Territorium aller Gemeinden umgesetzt werden müssen. Es gibt  keinen Grund, weshalb die Gemeinde Ahrensfelde hiervon ausgenommen sein sollte und nicht mit guten Beispiel voran gehen könnte.

Daraus folgt, dass die Gemeinde Ahrensfelde für ihre weitere Entwicklung Regeln aufstellen muss, damit auf ihrem Territorium die Zielstellungen von Klima- und Artenschutz die Grenzlinie bilden, um den fortschreitenden Landverbrauch auf Kosten der zukünftigen Generationen zu stoppen.

Beschlussentwurf

Die Gemeindevertretung beschließt, die nachfolgend in den Ziffern 1 – 5 dargestellten Anforderungen an die Bodennutzung und das Bauen in die Bauleitplanung der Gemeinde zu integrieren. Hierzu ist der verbindliche Flächennutzungsplan zu überarbeiten.  Sofern einzelne Anforderungen im Flächennutzungsplan nicht darstellbar sind, werden gesonderte Satzungen erlassen, die ergänzende und verbindliche Regelungen für die Aufstellung von Bebauungsplänen festschreiben.

1.

Es sind die Flächen im Gemeindegebiet zu ermitteln und im Flächennutzungsplan zu kennzeichnen, welche als Basis für die Entwicklung von Ökosystemen genutzt oder bereitgestellt werden können.

Flächen in der Gemeinde Ahrensfelde werden derzeit überwiegend für Wohn- und gärtnerische Zwecke, gewerbliche Zwecke, als Infrastrukturflächen, landwirtschaftlich und forstwirtschaftlich genutzt. Daneben gibt es noch Flächen, die keiner bestimmten Nutzung unterliegen und als „Brachflächen“ sichtbar werden. Zunächst sollen bei der Erarbeitung des Konzepts für die Entwicklung der Gemeinde alle die Flächen ermittelt werden, die sich für eine Renaturierung eignen bzw. auf denen bereits entsprechende Prozesse in Gang gekommen sind. Es ist davon auszugehen, dass derartige Flächen nur in einem sehr geringen Anteil im Gemeindegebiet zur Verfügung stehen. Diese Flächen sollten für jegliche Bebauung gesperrt werden.

Des Weiteren sollen forst- oder landwirtschaftlich genutzte Flächen erfasst werden, welche mit Billigung ihrer Eigentümer für eine Renaturierung zur Verfügung gestellt werden könnten. Es ist davon auszugehen, dass zukünftig Fördermittel für die Entwicklung von naturbelassenen Flächen bzw. die Entwicklung von Ökosystemen zur Verfügung gestellt werden. Die Inanspruchnahme derartiger Fördermittel setzt voraus, dass ein Plan für deren Einsatz vorliegt.

2..

Es ist ein Konzept zu entwickeln, wie das im Gemeindegebiet anfallende Regenwasser, welches derzeit ungenutzt abfließt, zurückgehalten und im Gemeindegebiet direkt nutzbar gemacht werden kann. Vordringlich soll anfallendes Regenwasser den notleidenden Weihern der Gemeinde zugeführt werden. Neben einer Versickerung sollte Wasser auf geeigneten Flächen auch gespeichert werden, damit es für Gießzwecke zur Verfügung steht. Im Zuge der bereits eingetretenen Klimaerwärmung mit ihren sichtbaren Folgen ist eine Wasserknappheit nicht mehr auszuschließen.

Die erforderlichen und geeigneten Flächen für Leitung und Speicherung von Wasser sind im Flächennutzungsplan zu kennzeichnen.

3

Es ist ein Konzept zu entwickeln, auf welchen Flächen im Gemeindegebiet Bäume und Sträucher angesiedelt werden können. Straßen, Wege und Plätze sind vollständig mit Bäumen und Sträuchern zu säumen. Parkplätze sind mit Bäumen so zu ergänzen, dass eine vollständige Überschattung möglich wird.

Die Eigentümer landwirtschaftlicher Flächen sind zu gewinnen, Randstreifen der Feldflächen mit Bäumen und Hecken zu bepflanzen. Auf großen Feldflächen sind möglichst Baum- und Heckenstreifen zur Unterteilung -möglichst entlang „natürlicher Linien“- anzulegen. Die entsprechenden Flächen sind im Flächennutzungsplan zu verzeichnen.

4.

Dem ständig wachsenden Bedarf an Trinkwasser in der Gemeinde steht ein Defizit im Bereich der Grundwasserneubildung gegenüber. Derzeit wird das gesamte, im Gemeindegebiet verbrauchte Trinkwasser nach Klärung abgeleitet und verlässt das Gemeindegebiet. Das Trinkwasser wird aus dem Grundwasser entnommen, ohne dass eine  adäquate Wassermenge in das Grundwasser zurückgeführt wird.

Da wir auf die Niederschlagsmenge als Quelle der Grundwasserneubildung keinen Einfluss haben, gibt es nur eine Lösung: Das aus dem Grundwasser entnommene Trinkwasser muss nach Nutzung und Reinigung wieder in das Grundwasser zurückgeführt werden.

Für die Gemeinde muss ein entsprechender Planungsprozess in Gang gesetzt und die erforderlichen Flächen müssen bereitgestellt werden. In die Konzeption neuer Wohngebiete muss die Abwasserreinigung und Versickerung integriert werden.

5

Die bauliche Nutzung von Flächen innerhalb der Gemeinde muss sich dem  Artenschutz und dem Klimaschutz unterordnen. Flächen, die der verdrängten Tierwelt als neuer Lebensraum dienen und Flächen, die zur Erhaltung des Mikroklimas benötigt werden, müssen zukünftig vor Baubeginn bestimmt und eingerichtet werden.

An die Bebauung sind zukünftig ergänzend folgende Anforderungen zu stellen:

  • Gebäude müssen zukünftig so errichtet werden, dass ihre Nutzung einen geringstmöglichen Energieverbrauch erfordert
  • Gebäudeflächen müssen zwingend zur Energieerzeugung genutzt werden (z.B. Photovoltaik)
  • Der Grad der Versiegelung des Bodens muss auf ein Mindestmaß beschränkt werden
  • Die Wohnfläche pro Person sollte auf ein angemessenes Maß begrenzt werden
  • Anfallendes Regenwasser sollte im Rahmen eines Gesamtkonzepts aufgefangen und im Gemeindegebiet genutzt werden. Nach einem festzulegenden Schlüssel sind Grundstücke mit heimischen Bäumen zu bepflanzen
  • An allen neu anzulegenden Straßen sind heimische Bäume zu pflanzen
  • Neue Wohngebiete können nur dort angelegt werden, wo eine unmittelbare Anbindung an die vorhandene Verkehrsinfrastruktur möglich ist
  • Bei der Bebauung jeglicher Flächen muss vor Baubeginn gesichert werden, dass den verdrängten Tieren auf angrenzenden Flächen bzw. auf den zur Bebauung vorgesehenen Flächen geeigneter und äquivalenter Lebensraum zur Verfügung gestellt wird

Die Ausweichflächen für Tiere sowie für die Ansiedlung der nötigen Vegetation sind im Flächennutzungsplan zu verzeichnen.

Begründung:

Die durch den Menschen mitverursachte Klimaerwärmung sowie die Bedrohung der Artenvielfalt stellen reale Veränderungen mit absehbar schweren Folgen für das Fortbestehen von Natur und menschlicher Gesellschaft dar. Die durchschnittliche Oberflächentemperatur in Deutschland ist bereits um 1,5 Grad Celsius gegenüber dem Jahr 1881 gestiegen. Wie im Pariser Klimaabkommen beschlossen, ist diese Erwärmung global auf deutlich unter 2 Grad, besser noch 1,5 Grad zu begrenzen. Diese Zahlen sind allerdings kein Ziel, sondern die Grenze. Mit dem Pariser Klimaabkommen von 2015, mit Beschlüssen der EU- Kommission aus dem Jahr 2020 sowie Beschlüssen der G7 aus dem Jahr 2021 haben sich eine Vielzahl von Staaten bzw. Staatengemeinschaften nunmehr verpflichtet, durch entschlossene Maßnahmen diesen Veränderungsprozessen entgegen zu wirken. Auf der Grundlage von Bundesgesetzen wird derzeit ein Klimaplan für das Land Brandenburg erarbeitet, welcher für die einzelnen Verwaltungsressorts die Vorgaben zur Umsetzung der eingegangenen staatlichen und zwischenstaatlichen Verpflichtungen enthalten wird.

Es soll hier beispielhaft nur auf zwei Kennziffern verwiesen werden, welche ganz konkret und praktisch umgesetzt werden müssen. Die Mitgliedsstaaten der EU haben sich verpflichtet, bis 2030 weitere drei Milliarden Bäume zu pflanzen. Nach den Beschlüssen von EU und G7 ist es zwingend erforderlich, 30% der Landfläche der Erde in ihrer ganz natürlichen Beschaffenheit zu erhalten. Für jeden der drei Milliarden Bäume muss damit der Platz der Pflanzung bestimmt werden. 30% der Landfläche müssen ganz konkret abgegrenzt werden, damit dort die heimische Pflanzen- und Tierwelt erhalten werden kann.

 Hat all das etwas mit unserer Gemeinde Ahrensfelde zu tun?

Es sollte  Einigkeit  darüber bestehen, dass die Landfläche der Erde begrenzt ist. Es sollte ebenso Anerkennung finden, dass die Erhaltung der Artenvielfalt und alle Maßnahmen zum Schutz des Klimas auf dem Territorium aller Gemeinden umgesetzt werden müssen. Es gibt  keinen Grund, weshalb die Gemeinde Ahrensfelde hiervon ausgenommen sein sollte.

Daraus folgt, dass die Gemeinde Ahrensfelde für ihre weitere Entwicklung ergänzende Regeln aufstellen muss, damit auf ihrem Territorium die Zielstellungen von Klima- und Artenschutz die Grenzlinie für die Bodennutzung bilden, (siehe hierzu auch § 1 Abs. 6, Ziff. 7 Baugesetzbuch).

Neuigkeiten aus der Nachbarschaft

Im Informationsblatt der Gemeinde Petershagen/Eggersdorf „Das Doppeldorf“ war in der Ausgabe 5.2021 folgendes zu lesen:

„ Förderrichtlinie Baum und Strauch

Unsere Gemeinde ist geprägt durch ihre Naturnähe und ihren Baumreichtum. Dabei leisten hochwertige und klimaangepasste Baumbestände einen wichtigen Beitrag zum Klima und erhöhen so unsere Lebensqualität. Aus diesem Grund hat die Gemeindevertretung am 25.03.2021 die „Richtlinie Zur Förderung der Anpflanzung von ðkologisch wertvollen Bäumen, Sträuchern und Hecken auf privaten Grundstücksflächen in der Gemeinde Petershagen/Eggersdorf”, kurz:

Förderrichtlinie Baum und Strauch”, beschlossen. Somit sollen positive Anreize geschaffen werden, um die Anplanzung von Bäumen und Hecken auf nicht kommunalen Grundstücken  zu fördern und den konsequenten Umbau des Grüns und klimaangepasste Neuanpflanzung zu unterstützen.

Somit können alle Eigentümer/innen Sowie Erbbau- und Nießbrauchsberechtigte einen Förderantrag für Anpflanzungen auf ihren Grundstücken im Gemeindegebiet stellen, wenn sie der ökologischen Gestaltung von Gärten und Grünflächen dienen. Die Gemeinde gibt dazu eine abschließende Liste mit Pflanzen vor, die gefördert werden können. Dabei handelt es sich um die Anlage 1 zur Förderrichtlinie. Diese beinhaltet Bäume wie die Blutbuche, der Bienenbaum und die Wildbirne sowie Hecken wie die Hainbuche, Schwarzer Holunder und Weißdorn. Das Besondere daran ist, dass es sich bei der Liste um eine auf den Nährstoffgehalt und Wasserbedarf angepasste Auswahl handelt. Diese Pflanzen haben eine lange Lebenserwartung und tragen dazu bei den natürlichen Wasserhaushalt zu stabilisieren und neues Grundwasser zu bilden. Sie gestalten somit unsere Gemeinde ökologisch und klimafreundlich und erhalten die Artenvielfalt.

Es können Zuschüsse von 25 % je Pflanze oder sogar 35 % bei der Wahl des, „Baumes des Jahres” gewährt werden. Die Förderung ist auf 1.000 EUR je Antragsteller/-in und Kalenderjahr begrenzt. Auskünfte zum Baum des Jahres und zu den detailierten Förderbedingungen erhalten Sie auf unserer Internetseite www.doppeldorf.de oder bei unserem Mitarbeiter für Naturschutz und Grünflächen, Herrn Lehmann …“

Eine Nachbemerkung

Oh weh, nach Veröffentlichung des letzten Beitrages gingen postwendend die ersten Hassmails bei mir ein. Auch Paul fragte mich per SMS, ob ich den Verstand völlig verloren hätte. Ob mir nicht klar sei, wer hier welcher Seite zuzurechnen und was die Folge welcher Ursache ist.

Naja, Paul hat schon recht. Nur abgesehen von der Überschrift des Beitrages habe ich nur zitiert, was unsere Minister gesagt bzw. geschrieben haben.

Übrigens habe ich heute am 1. Mai den ersten Kuckuck in diesem Jahr gehört.